Viktor Szeri «Fatigue»
Der ungarische Performer Viktor Szeri hat sich in «Fatigue», beim Festival «Tanz im August» (tanz 8-9/24) in den Berliner Sophiensælen gezeigt, seinen eigenen Burnout vorgenommen. Anstatt mit schnellen Bewegungen bis zur Erschöpfung zu tanzen, setzt er auf minimalistische Bewegungen in Zeitlupe und ein gekonntes Zusammenspiel aus Lichtdesign (Ferenc Payer), Ton (András Molnár) und Videoelementen (Tamás Páll).
Durch den unaufhörlich wummernden, lauten Bass und den Einsatz von Stroboskop-licht fordert der Tänzerchoreograf auch das Publikum körperlich heraus und macht seine eigene Erschöpfung umso spürbarer.
Im dunklen Raum ist weißer Linoleumboden ausgelegt, der sich nach oben hin zur Rückwand ausdehnt. Während das Saallicht noch die Szene erleuchtet, betritt Szeri die Spielfläche und fängt an, erst seine Schultern, dann seine Arme in schlängelnden Bewegungen tanzen zu lassen. Nach und nach nimmt er die Hüfte dazu, dann die Beine. Die Füße bleiben fest im Boden verwurzelt.
Szeri kopiert den schweren Takt der Elektromusik, blickt apathisch ins Publikum und macht unbeirrt weiter. Als der Raum dunkler wird, scheint ihn sein Schatten von allen Seiten festhalten zu wollen. Aber er fährt ...
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Rubrik: Kalender, Seite 28
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