Verena Weiss: «Tod und Teufel»
Tote tanzten im Mittelalter in Karnevalsumzügen. Aber in der vom Krieg stets verschonten Schweiz waren die Memento-mori-Darstellungen stets verdächtig: Tanz blieb dem Karnevalsrausch vorbehalten: als eine Kumpelbeziehung von Knochenmann und Narr.
Mehrmals springt der bunte Kerl mit Schellenkappe und Hinkefuß dem nackten Tod mit der Schädelmaske in Verena Weiss’ Luzerner Totentanz «Tod und Teufel» von der Schippe. Torheit und Frechheit helfen am besten, wenn es beim Danse macabre ans unvermeidliche Sterben geht. Und jeder muss es: König und Kirchenmann, Kind und Edelfräulein.
Jeder wird im Duett mit dem Sensenmann in seinem je eigenen Bewegungsrepertoire zu Tode getanzt. Duos mit dem Knochenmann gliedern den Abend der Luzerner Choreografin und bilden den Rahmen für surreale, gegenwartsnahe Begegnungen mit gesichtslosen grauen Herren und Toten, die im Operationssaal mit ihren Organen in Glasgefäßen kommunizieren. Die Zeiten und Ebenen mischen sich wie die Musikstücke – zum Teil in wirkungsvollen Kontrasten, zum Teil auch nur eklektisch. Wie in einem Gemälde der Renaissance tanzt zu Beginn eine Frau unter einer ausladenden Haube mit dem allmächtigen Schnitter eine Verführszene, bei der ...
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