Trauer und Hoffnung

Alexei Ratmansky erzählt mit «Solitude» am New York City Ballet von Menschen in Zeiten des Krieges

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«Solitude», Alexei Ratmanskys jüngste Premiere am New York City Ballet, ist eine anrührende, innovative und dezente Schilderung von gemeinschaftlicher Trauer, gewidmet «den Kindern der Ukraine, den Kriegsopfern». Doch die Story handelt eher von Eltern, die ihre Kinder verloren haben – und von der Hoffung, die mit der Trauer einhergeht. Das Stück verwandelt unerträglichen Kummer in eloquentes Ballett. Ich hatte das Glück, es zweimal sehen zu können.

Engel der Barmherzigkeit
Am Anfang kniet ein Mann am seitlichen Bühnenrand, neben ihm liegt ein kleiner Junge, reglos beide. Von der gegenüberliegenden Seite betreten Tänzer*innen in Zweier- und Dreiergruppen den Raum. Ihre Choreografie imitiert in Teilen die Kanonform, die Gustav Mahlers feierlich-gemessenem Trauermarsch im dritten Satz seiner Ersten Symphonie zugrundeliegt. Das Ziehen, Strecken und Falten der Gliedmaßen verleiht dem Partnering ein Element des Widerstands. Jede einzelne Frau nimmt die Pose einer Attitude ein und spreizt dabei die Ellenbogen rückwärts ab wie gebrochene Flügel. So entsteht ein schreitendes Gewirk aus spitzen Winkeln, das sich auf Vater und Sohn zubewegt. Sara Mearns, den Engel der Barmherzigkeit ...

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Tanz April 2024
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Wendy Perron

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