Sophie Killer
Eine Puppe erwacht zum Leben. Sie tastet ihren Körper ab, erfreut sich an der gewonnenen Gelenkigkeit, an ihrer Stimme. Wie Sophie Killer die Menschwerdung in ihrem Solo «Einer tanzt aus der Reihe» darstellt, legt den Zuschauer an die Leine. Ihre Bühnenpräsenz ist ungewöhnlich, ihr schauspielerisches, mimisches und bewegungskünstlerisches Talent unübersehbar. Die Tänzerin in ihr erwacht, als eine mannsgroße Puppe vom Bühnenhimmel fällt. Nach erfolgloser Herzmassage kuschelt sie sich an den Stoffkameraden und trägt ihn dann im Wortsinn zu einem schwerelosen, poetischen Duett.
Lyrik kann Killer, Aggressivität aber auch: Empört über die Passivität der schlaffen Figur, knallt sie sie zu Boden. Für diese interdisziplinäre Performance, ihre Abschlussarbeit an der Folkwang Universität, erhielt Killer 2015 den«Folkwang Preis für Darstellende Künste». Mit einer weiterentwickelten Fassung gastiert sie zur Zeit höchst erfolgreich. Auch ihre jüngste Produktion «Der Prozess» beeindruckt durch unkonventionelle Machart und Darstellung.
Es ist berührend und beglückend, was diese vielseitige junge Künstlerin auf der Bühne so anstellt. Die Synthese aus Theater und Tanz könnte man als deutsches ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 162
von Bettina Trouwborst
Ein Eiscafé in Berlin-Charlottenburg, beschallt vom benachbarten Spielplatz. Genau die passende Ecke für ein Treffen mit der hochschwangeren Elinor Jagodnik, Tänzerin des Berliner Staatsballetts. Zusammen mit dem Kollegen Friedrich Pohl, der gerade sein Engagement bei Martin Schläpfers Ballett am Rhein in Düsseldorf-Duisburg – nicht ganz freiwillig – beendet hat,...
Heute über Heimat zu sprechen, heißt häufig über ihren Verlust zu reden. Die Sehnsucht nach heimatlicher Zugehörigkeit tritt ein, wenn man sie gerade zu verlieren scheint oder bereits verloren zu haben glaubt. «Heimatverlust» bewirkt einen Phantomschmerz, meist bleibt er unerlöst. Die äußere Heimat – der Boden, der Wald, das Land, der Raum – ist faktisch ja nach...
Unter den vielen klugen, charmanten Momenten des Duetts «The Way You Look (at me) Tonight» gibt es eine Szene, in der die schottische Tänzerin Claire Cunningham ihrem amerikanischen Kollegen Jess Curtis erklärt, wie man eine Krücke am besten auf dem Boden justiert, um mit den Beinen – schwups – um sie herumzuschwingen oder die Hand so geschickt an die Gehhilfe...
