Selbst ist der Koch
Früher Mittag, Düsseldorf-Bilk, Balletthaus: Ein paar Tänzer chillen in Trainingsklamotten im Eingangsbereich, der zugleich ihr Aufenthaltsraum ist. Eine große Glasfront, schick-gemütliche Polstersofas, schlichte Holztische. Aus der angegliederten Küche weht der zarte Duft von Jasminreis, durch die offene Tür sieht man Wasserdampfwolken über einem offenen Kochtopf. «Wenn hier jemand Steak brät, riecht man es im ganzen Haus», sagt eine Tänzerin, offenbar kein Fan von Fleisch.
Aber noch schweben weniger Gerüche als Klänge durch die Luft: Wuchtige Dramatik aus Gioachino Rossinis «Petite Messe solennelle». Die offizielle Mittagspause hat noch nicht angefangen, in zwei Studios proben Martin Schläpfer und seine Ballettmeister für die nächste Uraufführung. Zeit für einen Rundgang durchs Haus.
Seit anderthalb Jahren arbeitet der 45-köpfige rheinländische Startrupp in diesem Gebäude, auf rund 3000 Quadratmeter Fläche. Aus den Fenstern einer angrenzenden Halle schauen schrill-bunte Karnevalswagen herüber, lebendig-tote Skulpturen, ein Setting wie für einen Horrorfilm. Dagegen: Anthrazitfarbene Seriosität im Kubus für die Tanzkunst, der vom Architekturbüro Gerkan, Marg & Partner designed wurde ...
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Tanz Juli 2017
Rubrik: Serie: Ernährung, Seite 68
von Nicole Strecker
Es wird nie mehr auf Reisen gehen, Madrid nie mehr verlassen. Kein Jubiläum, kein noch so verlockendes Angebot kann die Kuratoren des Prado dazu bringen, Hieronymus Boschs monumentalen «Garten der Lüste» außer Haus zu geben. Zu wertvoll, zu einzigartig und in der Substanz zu fragil ist das Triptychon, das trotz sakraler Anmutung doch nie einen Altar zierte....
Die Frau im weißen Anzug ist mir damals sofort aufgefallen. Sie stand im Foyer der Deutschen Oper Berlin. Es muss Mitte der 1990er-Jahre gewesen sein. Und plauderte. Welche junge Frau zeigte sich damals schon in einem weißen Anzug? Das Premierenpublikum in der Bismarckstraße trug entweder schwarz oder aus der Mode gekommene Abendkleider garniert mit Fettpolstern....
Ein Begräbnisritual wie eine griechische Tragödie. In «Standing in Time», uraufgeführt am Festspielhaus St. Pölten, gibt es Protagonisten, einen Chor, Götter und Polyphonien samoanischen Ursprungs. «We have to bury our dead properly», mahnt Lemi Ponifasio. Nach samoanischer Tradition gehören sie weiter zu unserer Welt. «Standing in Time» gibt Anhaltspunkte, wie wir...
