Selbst ist der Koch

Steak oder Sushi, Pasta oder Proteinshake? Das Ballett am Rhein ist auch in Ernährungsfragen ein Individualisten-Trupp. In der Gemeinschaftsküche brutzelt jeder, was er will. Auf die Teller geschaut hat

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Früher Mittag, Düsseldorf-Bilk, Balletthaus: Ein paar Tänzer chillen in Trainingsklamotten im Eingangsbereich, der zugleich ihr Aufenthaltsraum ist. Eine große Glasfront, schick-gemütliche Polstersofas, schlichte Holztische. Aus der angegliederten Küche weht der zarte Duft von Jasminreis, durch die offene Tür sieht man Wasserdampfwolken über einem offenen Kochtopf. «Wenn hier jemand Steak brät, riecht man es im ganzen Haus», sagt eine Tänzerin, offenbar kein Fan von Fleisch.

Aber noch schweben weniger Gerüche als Klänge durch die Luft: Wuchtige Dramatik aus Gioachino Rossinis «Petite Messe solennelle». Die offizielle Mittagspause hat noch nicht angefangen, in zwei Studios proben Martin Schläpfer und seine Ballettmeister für die nächste Uraufführung. Zeit für einen Rundgang durchs Haus.

Seit anderthalb Jahren arbeitet der 45-köpfige rheinländische Startrupp in diesem Gebäude, auf rund 3000 Quadratmeter Fläche. Aus den Fenstern einer angrenzenden Halle schauen schrill-bunte Karnevalswagen herüber, lebendig-tote Skulpturen, ein Setting wie für einen Horrorfilm. Dagegen: Anthrazitfarbene Seriosität im Kubus für die Tanzkunst, der vom Architekturbüro Gerkan, Marg & Partner designed wurde ...

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Tanz Juli 2017
Rubrik: Serie: Ernährung, Seite 68
von Nicole Strecker

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