Robert Battle

16 Tanzschaffende denken darüber nach, was Heimat für sie persönlich bedeutet

Tanz - Logo

Für mich als Privatmensch bezeichnet Heimat etwas Vertrautes und Beruhigendes, das keineswegs die Form eines Gebäudes oder Konstrukts haben muss. Heimat kann das Gefühl von Behaglichkeit und innere-r--- -Ruhe bedeuten. Als Künstler verstehen wir Heimat gewissermaßen als unser Zentrum. Tänzerinnen und Tänzer sind ja ohnehin stets auf der Suche nach ihrer Mitte – allerdings nur, um sich dann auch gleich wieder von ihr entfernen zu können. Heimat also als Basis. Und wenn ich nach Hause komme, kehre ich in mein Zentrum, meine Mitte zurück. Dorthin, wo mein Ursprung ist.

Heimat muss etwas Starkes, Beständiges sein, damit man sie verlassen und doch jederzeit zu ihr zurückkehren kann. Das hat mit Vertrauen und Vertrauensvorschuss zu tun. Jedesmal wenn du einen Schritt tust, führt dich dieser ein Stück aus deinem Zentrum hinaus. Und genau das ist es, was das Tanzen und jedwede Kunstausübung so aufregend macht. Ich habe Tänzerinnen und Tänzern immer gerne gesagt: «Wenn ihr einen Arm in die Luft streckt, vergesst nicht, dass er ein Teil von euch ist, dass er irgendwo herkommt.» Die Besonderheit dieser Energie und der Denkprozess, der deinem Zuhause, deinem inneren Kern entspringt und dann ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Identität, Seite 113
von Robert Battle

Weitere Beiträge
Das Ensemble

Ein Eiscafé in Berlin-Charlottenburg, beschallt vom benachbarten Spielplatz. Genau die passende Ecke für ein Treffen mit der hochschwangeren Elinor Jagodnik, Tänzerin des Berliner Staatsballetts. Zusammen mit dem Kollegen Friedrich Pohl, der gerade sein Engagement bei Martin Schläpfers Ballett am Rhein in Düsseldorf-Duisburg – nicht ganz freiwillig – beendet hat,...

Lorenzo Trossello

Lorenzo Trossello hat einen jener überirdisch proportionierten Körper, die den Gedanken nahelegen, er stehe mit Gott auf ganz besonders gutem Fuß: hochgewachsen, muskulös, mit breiten Schultern und kräftigen Beinen, dazu ein ideales Bühnengesicht mit großen dunklen Augen, markanter Nase und gewinnendem Lächeln. Seit seiner Aufnahme am Northern Ballet in Leeds im...

Trajal Harrell

Manche leiden bei den konzeptbetonten Catwalk-Tänzen von Trajal Harrell, die sich um Tanz und Mode, Körper und Kleidung drehen – und durchaus schräg zugeschnitten daherkommen. So verließ in Harrells ers-ter «Tanz im August»-Aufführung von «Antigone Sr.», Teil seiner «Twenty Looks or Paris is Burning at The Judson Church»-Serie, der halbe Saal den Ort des Geschehens...