Rituale: Nora Kimball-Mentzos
Meinen allerersten Auftritt hatte ich im Corps de ballet, hinterste Reihe, Mitte rechts, zur Polonaise im dritten Akt von «Eugen Onegin». Vor der Premiere auf der Bühne des Opernhauses sprachen mir verschiedene Kompaniemitglieder ihr «Toi, toi, toi» aus – neu gewonnene Freunde, die mir Glück wünschten und mich mit kleinen Geschenken bedachten. Schon damals hatten diese Gesten etwas von einem Vorbereitungsritual, das ich auch jetzt noch, viele Jahre später, praktiziere.
Heute sind meine Auftritte seltener geworden, doch noch immer begleitet mich mein liebster Talisman auf all meinen Wegen zu den großen und kleineren Bühnen dieser Welt, egal wie aufwendig das jeweilige Projekt ist.
Ich bekam ihn von Reid Anderson und Dieter Gräfe geschenkt, meinen roten Meditations-Esel. Er hat mich seither durch alle meine Kompaniewechsel und beruflichen Veränderungen begleitet und mir dabei geholfen, trotz meiner hohen Anspannung und Nervosität den Fokus nicht zu verlieren und mich in turbulenten Zeiten zu erden. Einen -Namen habe ich ihm nie gegeben, aber ich empfinde ihn als männlich. Eines Tages entdeckte ich ihn plötzlich vor dem Warm-up an der Stange, etwa eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Glücksbringer, Seite 12
von
Merce Cunningham hat das Gesicht des modernen Tanzes nachhaltig verändert. Zwar löste sich seine Company 2011, zwei Jahre nach seinem Tod, auf; der Merce Cunningham Trust dagegen organisierte in diesem Jahr tatkräftig zahlreiche Veranstaltungen zum 100. Geburtstag seines Namenspatrons. Und das im internationalen Maßstab: Kompanien in den USA, Kuba und Frankreich...
Um zu verstehen, worauf wir auf den ersten Blick perplex oder belustigt reagieren, könnten wir in den DeLorean DMC-12 aus «Zurück in die Zukunft» steigen und den Fahrer bitten, uns im Jahr 2120 abzusetzen, falls es dann noch ein bewohnbares Fleckchen Erde gibt. Im Fokus unserer Neugier stünde nicht, was wir aus der Welt gemacht haben, das überlassen wir dem...
In Paris war es eine gute Spielzeit für Liebhaber von Tschaikowskys «Schwanensee», für die Fans, die sich nicht sattsehen können an diesem choreografischen und musikalischen Monument und darauf brennen, die psychoanalytisch verankerte Nurejew-Fassung von 1984 immer wieder auf ihre Schlüssigkeit hin abzuklopfen. Der damalige Ballettchef schuf ein höllisches Quartett...
