Rituale: Nora Kimball-Mentzos
Meinen allerersten Auftritt hatte ich im Corps de ballet, hinterste Reihe, Mitte rechts, zur Polonaise im dritten Akt von «Eugen Onegin». Vor der Premiere auf der Bühne des Opernhauses sprachen mir verschiedene Kompaniemitglieder ihr «Toi, toi, toi» aus – neu gewonnene Freunde, die mir Glück wünschten und mich mit kleinen Geschenken bedachten. Schon damals hatten diese Gesten etwas von einem Vorbereitungsritual, das ich auch jetzt noch, viele Jahre später, praktiziere.
Heute sind meine Auftritte seltener geworden, doch noch immer begleitet mich mein liebster Talisman auf all meinen Wegen zu den großen und kleineren Bühnen dieser Welt, egal wie aufwendig das jeweilige Projekt ist.
Ich bekam ihn von Reid Anderson und Dieter Gräfe geschenkt, meinen roten Meditations-Esel. Er hat mich seither durch alle meine Kompaniewechsel und beruflichen Veränderungen begleitet und mir dabei geholfen, trotz meiner hohen Anspannung und Nervosität den Fokus nicht zu verlieren und mich in turbulenten Zeiten zu erden. Einen -Namen habe ich ihm nie gegeben, aber ich empfinde ihn als männlich. Eines Tages entdeckte ich ihn plötzlich vor dem Warm-up an der Stange, etwa eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Glücksbringer, Seite 12
von
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Wer hätte das gedacht, nach all den Querelen um das neue Leitungsduo des Berliner Staatsballetts? Das größte Ballettensemble Deutschlands kann auf eine erfolgreiche erste Spielzeit unter neuer Leitung stolz sein, und Johannes Öhman darf sich auf die Schulter klopfen. Gut gemacht. Er staunt selbst, wie schnell alles ging. Denn nicht weniger als den Untergang des...
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