Offene Wunden
Die Kulturszene hat ein Problem mit Antisemitismus. Nicht erst, seit Stefanie Carps «Ruhrtriennale»-Intendanz 2018 vorzeitig endete, weil sich ihr Programm als massiv vom scharf israelfeindlichen BDS (steht für «Boycott, Divestment, Sanctions» gegenüber Israel) beeinflusst erwies. Nicht erst, seit das Berliner Musikfestival «Pop-Kultur» ins Kreuzfeuer zwischen Palästinaund Israel-Freund*innen geriet. Nicht erst, seit 2022 bei der «documenta 15» unmissverständlich antisemitische Kunst ausgestellt wurde.
Die Kulturszene hat aber auch ein Problem damit, angemessen auf diesen Antisemitismus zu reagieren.
Der Berliner Kultursenator Joe Chialo verlangt künftig, dass Künstler*innen, die sich um eine Förderung bewerben, eine sogenannte «Antidiskriminierungsklausel» unterschreiben, konkret: Wer gefördert werden will, muss sicherstellen, dass keine Gelder in «rassistische, antisemitische, queerfeindliche oder anderweitig ausgrenzende Ausdrucksweisen» fließen. Klingt erstmal gut. Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit will niemand, außerdem ist Chialo in der CDU, was ihm den Vorwurf einer typisch links-woken Verbotskultur erspart, und er ist dunkelhäutig, weswegen die Behauptung, ...
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Tanz Februar 2024
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Falk Schreiber
Nebel, alter Abstraktionsmeister: Ausstatter Patrick Kinmonth hat auf den Gazevorhang einen Hügel gemalt, typisch fürs nordenglische Moor durchzogen von kleinen Steinmauern, um die Schafweiden abzugrenzen. Die Mauern verschwimmen im Nebel und erinnern so an Schnüre, an denen die handelnden Figuren hängen wie Marionetten. Charlotte Brontës «Jane Eyre»: ein...
«Neues Wiener Journal», 30. Jänner 1924. Mit dem Autoren-Kürzel _r. gezeichnet, hatte er/sie offenbar nicht nur mit der Choreografin gesprochen, sondern auch eine Probe verfolgt. Der zweite Teil des vierteiligen Tanzdramas «Gewalten des Lebens» – und nur der ist vor allem durch die Einstudierung zweier ehemaliger Bodenwieser-Tänzerinnen aus Wien nebst einer...
COPPÉLIA
Léo Delibes’ «Coppélia» zählt spätestens seit der Revision durch Marius Petipa 1884 zum Standartrepertoire des klassischen Tanzkanons, auch weil das auf E.T.A. Hoffmanns Erzählung «Der Sandmann» basierende Thema des künstlichen Menschen im Tanzumfeld einerseits ungewohnt ist, andererseits Anknüpfungspunkte zum auf perfekte Performance zugerichteten Körper...
