Natalia Ossipova

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Die junge Natalia Ossipova gehört zu denen, über die man spricht, über die man streitet. Man kann sie lieben oder auch nicht, aber man kann nicht umhin, sie zu bemerken.

Der Bühnenauftritt dieser nicht großen und dem allgemeinen Typ der Ballerina nicht entsprechenden Tänzerin ist buchstäblich wie der Flug eines hellen Kometen, sei es in der Variation der spanischen Braut («Schwanensee» von Yuri Grigorovich), in den fast cancanhaft getanzten, energischen fouettés und jetés en tournant in Massines «Gaîté parisienne» oder den Sprungvariationen im Schatten-Akt aus «La Bayadère» und «Don Quixote». Ihre kleinen Soli verdrängen die Pas de deux der führenden großen Ballerinen, ihre gewaltige Sprungkraft weckte die Konkurrenzgefühle männlicher ­Solisten, und ihre technische Versiertheit und verwegene Tanzmanier erstaunen die zeitgenössischen Choreografen. Ballettchef Alexei Ratmanski weiß sie zu schätzen und holte die Ossipova in seine Version von Strawinskys «Jeu de cartes» und in Ravels «Boléro». Denn mit diesem sehr musikalischen (was heute eine Seltenheit ist), sehr virtuosen («Sie dreht sich wie ein Teufel», sagte ihre Lehrerin schon in der Akademie) Energiebündel kommt in die toten, manchmal langweiligen klassischen Ballette der Nerv und Rhythmus des heutigen Lebens, etwas Lebendiges und Elementares, mit dem die Moskauer Ballerinen, angefangen mit Olga Lepe­shinskaya, die Zuschauer hypnotisieren. ...

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Tanz Jahrbuch 2006
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 146
von Violeta Mainiece

Vergriffen
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