München: E. Ómarsdóttir, H. Ólafsdóttir «Romeo und Julia»
Das kann ja heiter werden. Bevor die Vorstellung richtig beginnt, treten die zwanzig Tänzer und Tänzerinnen vor den Vorhang und stellen der Reihe nach ihre persönliche Beziehung nicht nur zu dieser «Romeo und Julia»-Produktion her. Noch scheinen alle nackt; die fleischfarbenen Bodys lassen allerdings manchen Muskel, aber auch Geschlechtsteile monströs hervortreten. Da lacht das Publikum.
Und es lacht noch mehr, als sich der eine als das «Gift» zu erkennen gibt, an dem Julia sterben wird, und der andere als die «Kirche», um gleich hinzuzufügen: «Nein, nicht die Institution; das Gebäude». Spätestens als einer im Gärtnerplatztheater bekennt: «Wir sind doch alle Romeo und Julia», wird einem klar: Eine «normale» Ballettaufführung wird das hier sicher nicht. Die wird auch niemand erwarten von Erna Omársdóttir, die daheim in Reykjavík die Iceland Dance Company leitet und u. a. mit Björk zusammengearbeitet hat.
Die Bühne bleibt denn auch leer bis auf einen goldenen Schleier, der sich erst von ein paar Treppenstufen hebt, um später wie ein Leichentuch alles unter sich zu begraben. Es dauert seine Zeit, bis Serge Prokofjew den Ton angibt und sich das gesamte Ensemble in eine Choreografie ...
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Tanz Januar 2019
Rubrik: Kritik, Seite 40
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Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance
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