münchen: balanchine, barton, robbins «adam is» u. a.
Ob Aszure Barton dem Bayerischen Staatsballett einen Bären aufgebunden hat? Auf jeden Fall hockt ein gigantischer Teddy auf der Bühne des Nationaltheaters, und gleich neun Akteure zollen dem Tier im Mann auf tänzerische Weise Tribut. Auf jeden Fall hat Burke Brown mit dem obskuren Objekt kindischer Begierden einen attraktiven Blickfang geschaffen: anfangs geheimnisumwittert, weil man seine Größe allenfalls ahnt, und auch dann noch dominant, wenn sich der Bär im weiteren Verlauf brummend zu verniedlichen scheint.
Eine Funktion hat er nie – es sei denn, man akzeptiert ihn als Katalysator einer kraftvollen Choreografie, die sich selbst in intimeren Szenen virtuos viril gibt. Wie im Titel «Adam is» angedeutet, werden nicht wirkliche Entwicklungen aufgezeigt, sondern Machismo-Momente vorgeführt: mal kämpferisch ausgeformt in den Ensembles, mal anrührend in einem Duo. Dazu passend die Kostüme von Michelle Jank, die ihren Anzügen einen Leoparden-Print verpasst, der Javier Amo, Jonah Cook, Léonard Engel, Nicholas Losada, Erik Murzagaliyev, Ilia Sarkisov, Shawn Throop, Matej Urban und Nicola Strada zwar gleich aussehen lässt, nicht aber ihren individuellen Spielraum behindert – nach Maßgabe ...
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Tanz Februar 2016
Rubrik: Kalender, Seite 44
von Hartmut Regitz
In Wien blickt dem Spaziergänger von vielen Plakatwänden eine unerlöste Königin entgegen. Olga Esinas dunkel umschattete Augen wirken in dem genähten und gedrehten Gefunkel und Geglitzer, das sie für ihre jüngste Titelrolle in Michael Corders Produktion «Die Schneekönigin» trägt, wie der so oft zitierte tiefe, unergründliche See. Die eiskalte Schöne, Hans Christian...
Als Anfang der 1940er-Jahre in den Hexenküchen der Clubs zwischen Minton’s Playhouse und 52nd Street in New York der Bebop aufkochte, erschien er wie aus dem Nichts, dieser Syd O´Noo. Ein Magier des Tap Dance, wie es keinen Zweiten gab. Ein Stepp-Schamane, Ehrfurcht gebietend und hypnotisch. Geheimnisvoll, egomanisch, drogenabhängig – zur Legende prädestiniert....
«Schon im Bauch meiner Mutter musste ich Dehnübungen machen», sagt sie einmal aus dem Off in ihrem Solo «Tanzsylvanien». Die 30-jährige Tochter einer Tanzpädagogin führt da keine Spagate vor, sondern eine andere Form der Dehnung: vom kleinen Ich in die große Welt hinaus. Auf dem Boden schiebt sie müde Fingertentakel nach vorn, die der Monitor vergrößert. Er...
