Marguerite Donlon «Romeo und Julia»

Osnabrück

Tanz - Logo

Wer nur den Filmtrailer sieht, auf Vimeo, eine Minute und zehn Sekunden lang, mit seinen superschnellen Schnitten und seinen Close ups, der könnte denken: «Wow! 24 Szenen, in denen augenblickskurz aufblitzt, was Choreografie und Lichtregie hergeben!». Aber leider ist der Abend, den Tanzdirektorin Marguerite Donlon im Theater Osnabrück aus «Romeo und Julia» gemacht hat, entlang an Shakespeares Text und Prokofjews Musik, zweieinhalb Stunden lang. Und das ist viel Zeit. Zu viel Zeit. Zeit, sich in Repetitionen zu verlieren, in unproduktiven Stimmungsbrüchen, in Logikfehlern.

Das zieht sich.

Wenn wenigstens ein Genuss wäre, was die Osnabrücker Sinfoniker im Orchestergraben produzieren. Aber dort unten wird über weite Strecken nur auf Sparflamme gekocht, es fehlt an Fülle und Feinnervigkeit, und zuweilen denkt man, man habe Kissen auf den Ohren. Also sieht man zu, wie Julias Amme sich pseudokomödiantisch in prollige Sexposen wirft, die kein volltrunkener Z-Promi im Trash-TV besser hinbekommen würde. Man sieht halbherziges Kampfgetümmel, das wie eine verunglückte Mischung aus Fantasy und Martial Arts wirkt. Man sieht Bühnenbilder, deren Versatzstücke Mal um Mal so vorhersehbar ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2023
Rubrik: Kalender, Seite 45
von Harff-Peter Schönherr

Weitere Beiträge
Machtgefälle

In «Giselle» geht es um soziale Unterschiede. Die Liebe zwischen der Titelheldin und Albrecht scheitert an den gesellschaftlichen Barrieren und der Feigheit des Mannes, zu seiner nicht standesgemäßen Liebe zu stehen. Hier setzt die Neuinterpretation des schwedischen Choreografen Pontus Lidberg am Theater Basel an. Bei ihm geht es nicht wie im Originallibretto um...

Ausstellungen 2/23

EINLADUNG ZUM TANZ
1957 wurde das Tanzarchiv Leipzig als einzige derartige Einrichtung der DDR von Kurt Petermann gegründet, ursprünglich mit dem Ziel, die Volkstanzpraxis zu erforschen und zu dokumentieren. 1975 wurde die renommierte Institution, die auch zahlreiche Videodokumente aufbewahrt, zur Außenstelle der Berliner Akademie der Künste – der Standort blieb in...

Goldschatz

Es beginnt langsam, beinahe ehrfürchtig. Der Pianist Patrik Hévr eröffnet mit der Aria die «Goldberg»-Variationen. Fast noch getragener spielt er als Glenn Gould in seiner späten Einspielung dieses ikonischen Werks. Eine Art Ikone schafft mit diesem Abend auch Goyo Montero in Nürnberg. Seit 15 Jahren ist er hier Ballettchef, gerade hat er seinen Vertrag bis 2028...