linz
Das Thema der Hochzeit wird in der neuen Ballettpremiere im Linzer Musiktheater aus zwei Perspektiven beleuchtet. Zwei Choreografinnen aus unterschiedlichen Kulturen und mit verschiedenen Tanzsprachen beschäftigen sich damit. Die Koreanerin Hea-Kyung Lee beruft sich in «Mae» auf eine überlieferte Geschichte, und zwar die des Thronfolgers einer alten Dynastie, Cheoljeong, dem die Erfüllung seiner Liebe zu Bong Hee verwehrt wird, weil die Konvention es so verlangt. Eine «Romeo und Julia»-Variante also, die ebenfalls mit dem Tod der beiden endet.
Erst durch das Eingreifen schamanistischer Mächte finden sie im Jenseits zueinander und entfliehen so den Zwängen des irdischen Lebens.
In einer Glasvitrine hinter Blumen die Geliebte, darüber der verzweifelte Mann, rund herum der Kampf der menschlichen Eitelkeiten: Da wird geschrien und geweint, gelacht und getanzt, jede der sechs Tänzerinnen agiert für sich allein. Dazwischen immer wieder der Schamane, maskenhaft, bestimmend zelebriert er sein Ritual. Unschuldig weiß sind die Kostüme, die zart und ätherisch auf die andere Welt zu deuten scheinen – in der Farbe der Reinheit, der Transparenz und Verletzlichkeit. Auch als Zeichen der Hoffnung ...
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Tanz Juli 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 52
von Susanne Zellinger
Tänzer haben’s gerne warm. Das Training beginnt morgens in Beinwärmern, Stulpen, Socken, Overalls oder Sporthosen, in den Pausen wickelt man sich in Selbstgestricktes und zieht die dicken, gefütterten Dance Booties über die Füße. Zoulfia Choniiazowa dagegen betritt um neun Uhr morgens einen kleinen Raum, in dem minus 110 Grad herrschen, eine Temperatur, wie sie auf...
Allein schon das Bühnenbild kann sich sehen lassen. Eno Henze, ein Berliner Künstler, hat es entworfen. Wuchtig in seiner Wirkung und zugleich beweglich, gibt es der Alt-Saga «Tristan + Isolde» auf abstrakte, aber wandelbare Weise Raum. Von Bert Dalhuysen ingeniös beleuchtet, scheint alles in der Schwebe, besitzt aber Atmosphäre genug, die Schauplätze aufs...
Nachdem wir nicht mehr einen Koffer voller Wecker, Kompass, Schreibmaschine, Landkarte, Kalender, Kamera und dergleichen durchs Leben schleppen, nachdem auch Radio, Spiele, Taschenlampe, Bücher, Platten und die Wetterstation den allerkleinsten Platz im Telefon gefunden haben, rückt der schwer erleichterte Körper selbst in den Fokus. Wo einst die Armbanduhr saß,...
