Kippfigur

Tanz - Logo

Im Grunde ist sie schon eine etwas ältere Dame – die Tänzerinnenfigur, deren Silhouette sich im Netz unablässig und abrufbereit um die eigene Achse dreht. Auf YouTube findet man bis zu zehn Jahre alte Postings dieses verblüffenden Videos, das Betrachter bis heute in zwei Lager spaltet.

Eine empirisch ermittelte Mehrheit sieht, dass sich die scherenschnitthafte Ballerina im Uhrzeigersinn dreht, die Übrigen erkennen auf den ersten Blick die genau entgegengesetzte Drehrichtung.

Ob links- oder rechtsherum – im Unrecht ist niemand, denn das irritierende Phänomen der «bistabilen Wahrnehmung» erklärt sich durch die Tatsache, dass unser Gehirn die zweidimensionale Darstellung unweigerlich in eine dreidimensionale umwandelt. Wie? Indem es im Sehzentrum Informationen aus unserem Erfahrungsschatz beisteuert, die das Gesehene zu einer potenziellen Realität ergänzen. Ob dabei, wie immer wieder behauptet, die jeweilige Dominanz der linken bzw. rechten Gehirnhälfte des Betrachters eine entscheidende Rolle spielt, ist wissenschaftlich umstritten. 

Wir kennen Abbildungen solcher «ambiguous patterns» zumeist in unbewegter, zweidimensionaler Form. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts und bis weit ins ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2018
Rubrik: Warm-Up, Seite 1
von Marc Staudacher

Weitere Beiträge
Screening 12/18

Die Tanzschüler der Pariser Oper, fünf Jahre später

Für ein Tänzerleben sind fünf Jahre eine halbe Ewigkeit. Genau so lange ist es her, dass die Dokumentarfilmerin Françoise Marie «Die Tanzschüler der Pariser Oper» über ein Schuljahr hinweg begleitete. Jetzt hat sie die Kinder und Jugendlichen von damals noch einmal besucht und neuerlich eine fünfteilige Miniserie...

Downbeat

Jacob Höhne, wie kam es zu einem Theater für Menschen mit Down-Syndrom?
RambaZamba wurde in Berlin von Gisela Höhne und Klaus Erfurth gegründet, dem damaligen Regisseur am Deutschen Theater. Moritz Höhne, mein Bruder, der auch hier im Ensemble ist, wurde mit Trisomie 21 geboren. In der DDR war die Förderung dieser Menschen gleich null. Die Ärzte sagten nach der...

Traumversunken in Ost-Berlin

Ein Bahnsteig. Eine Ballerina. Sie steht auf Spitze, leicht gestützt auf eine Bank, schaut entrückt aus dem Bild. Auf der Bank sitzt teilnahmslos eine Dame mit Gepäck. Die Ballerina scheint unsichtbar. «Es ist früh am Morgen in Ost-Berlin», sagt Ute Mahler, eine der interessantesten Fotografinnen der letzten vierzig Jahre – stilprägend und sozial engagiert. 

Diese...