king of drama

Vor vierhundert Jahren starb der Dichter, an dem kein erzählfreudiger Choreograf vorbeikommt. William Shakespeares Werke sind der Stoff, aus dem Tanzgeschichte gemacht wird

Großes Drama in Bühnenchoreografie zu übersetzen, ist kein Kinderspiel. Das gewaltige Œuvre Shakespeares verweigert sich gründlich jeder vordergründigen Transposi-tion in Ballette oder Tanzstücke. Der 400. Todestag des Mannes, dem der Ehrentitel «Swan of Avon» zuteil wurde, jährt sich am 23. April und lädt dazu ein, das Verhältnis zwischen den Werken des weltberühmten Dichters und dem Tanz zu befragen – jener stummen Kunstform, die den Kern von Shakespeares dichterischer Größe zu ignorieren scheint: das virtuose Sprachspiel.

Stumme Kunst meets Sprachgewalt
Shakespeare hat der englischen Sprache mehr Wortneuschöpfungen beschert als jede andere historische Person. Häufig hören oder verwenden wir Redewendungen im Alltag, ohne uns bewusst zu sein, dass sie seiner Formulierungsfantasie entsprangen. Sprachhis-torisch betrachtet, schrieb Shakespeare zu einer Zeit, als sich das Mittelenglisch Chaucers bereits weitestgehend zum modernen Englisch unserer Epoche entwickelt hatte – einer Sprache, die sich, von der Blütezeit der englischen Seeherrschaft begünstigt, bereitwillig auch fremde Vokabeln aus anderen Kulturkreisen anverwandelte. Fraglos ist es einigen herausragenden Choreografen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2016
Rubrik: Traditionen, Seite 56
von Mike Dixon

Weitere Beiträge
the ghosts & soft cell

Constanza Macras ruft die Geister. Wie immer. Zuletzt waren es Roma, Afrikaner und die Vergangenheit. Selten ist ein Geist darunter, den unsere Zivilisation mit offenen Armen empfangen würde. Diesmal sind es chinesische Akrobatinnen. Keine, mit denen der Chinesische Staatszirkus trübe Sonntage aufhübscht, sondern solche, die nicht auf Tournee gehen dürfen. Die...

gilles jobin

 Sein neuestes Stück nennt sich so, wie das, was Gilles Jobin umtreibt: «Força Forte» – starke Kraft. «Strong force oder die starke Wechselwirkung ist eine der vier Grundkräfte der Natur, es ist eine kontraintuitive Kraft», erklärt der Westschweizer Choreograf. «Ähnlich wie die Schwerkraft – je näher man der Masse kommt, desto größer ist die Anziehungskraft. Die...

Annett Göhre: «Goldfisch-Variationen» in Zwickau

Mit Bachs sanfter Aria aus den «Goldberg-Variationen» beginnt der Abend, und mit dieser Aria, da capo al fine, geht er zu Ende. Von Bachs dreißig Variationen aus dem Jahr 1741 ließ sich Uri Caine inspirieren, der 1956 geborene amerikanische Komponist, der 2000 seine «Goldberg Variations» einspielte. Für die Komposition nutzte er unterschiedliche Musik- und vor...