Kinderwelt
Kein Zweifel, das «Kind» ist in die Jahre gekommen. Eurudike De Beul kurvt zwar quietschvergnügt auf einem winzigen Fahrrad über die kleine Waldlichtung, die zum Schauplatz keineswegs nostalgischer Erinnerungen wird. Aber das äußere Erscheinungsbild samt Strickweste und rotem Kleidchen kann sich nie komplett mit ihrer Rolle decken, selbst wenn die gestandene Sängerin und Schauspielerin das kindliche Gehabe grandios verinnerlicht.
Es bleibt stets ein Rest, der die Identifikation so zwischen Wahn und Wirklichkeit verortet, dass die eigenartige Spannung fortbesteht – und man am Ende beunruhigt, wenn auch bestens unterhalten den Ort der Uraufführung, das Grand Théâtre de Luxembourg, verlässt.
Gerade das ambivalent Albtraumhafte hat noch keiner Performance des belgischen Tanz-Theaterteams Peeping Tom geschadet. Im Gegenteil. Nach «Vader» (tanz 7/14) und «Moeder» (tanz 11/16) gelingt Gabriela Carrizo und Franck Chartier auch der Abschluss der Familientrilogie bildhaft bewegt und so verstörend virtuos wie das Erfolgsstück «33 rue Vandenbranden». Täuschend echt ist der düstere Wald, hinter dem bisweilen riesig groß ein blutroter Mond aufzieht. Stöckelte da nicht zwischendurch ein Reh auf ...
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Tanz Juli 2019
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Hartmut Regitz
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Medusa, einst die schönste der Gorgonen, schließlich verflucht von Athene, muss Schlangen als Haartracht tragen und jeden, den sie erblickt, unwillkürlich in Stein verwandeln. Der Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui bereitet den mythologischen Stoff für ein zeitgenössisches Ballettpublikum auf und untelegt ihn mit (von Olga Wociechowska elektronisch erweiterten)...
Helena Waldmann reist viel und schaut der Gesellschaft gerne in die Seele. Und so ist ihr neues, in Ludwigshafen uraufgeführtes Stück «Der Eindringling. Eine Autopsie» eine Reise ins Innerste des Menschen, in den Kern unserer (derzeitigen) Befindlichkeiten. Eine Stunde lang sind wir aufgefordert, uns selbst zu betrachten, eine Autopsie an uns selbst durchzuführen,...
