jörg weinöhl

Ein Tänzerleben lang bei Martin Schläpfer. Zum Kleist-Jahr zieht er selbst die Fäden. Mit der Komponistin Isabel Mundry inszeniert er «Nicht ich – über das Marionettentheater».

Eine Flasche Wasser, eine Birne, zwei Äpfel und ein Messer packt Jörg Weinöhl aus und legt alles auf den Tisch. Er entfaltet eine weiße Stoffserviette, zwei winzige Gläser kommen zum Vorschein. Der Solotänzer hat vorgesorgt: Die Bar des Düsseldorfer Opernhauses ist nicht besetzt. Also Picknick im Foyer. Neben der Flasche liegt sein original Florentiner Strohhut. Das fein gearbeitete Modell einer Münchner Hut­macherin auf dem Kopf, radelte Weinöhl eben noch durch den Hofgarten und zog die Blicke auf sich – wie eine Allegorie des Frühsommers.



Auf der Bühne wie im Leben fällt Weinöhl aus der Rolle und aus der Norm. In das Ballettensemble der Deutschen Oper am Rhein reiht er sich selten unauffällig ein. Ballettdirektor Martin Schläpfer setzt den Charakterkopf mit dem rötlich-blonden Haar und Vollbart in seinen Choreografien ein, um ein Thema entweder tragisch, grotesk oder irrwitzig zuzuspitzen. Weinöhl ist der einsame Philosoph, der Mensch in der Krise, der Revoluzzer. «Mich interessiert das Ausloten von Abgründen», sagt der 40-Jährige. Er versuche Abgründe und Schwellenbereiche darzustellen, weil er sie selbst erfahren oder zumindest in sie hineingeschaut habe.

In Schläpfers Ballett ...

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Tanz Juni 2011
Rubrik: menschen, Seite 23
von Bettina Trouwborst

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