Jirí Kylián
Es gibt ein Wort im Tschechischen, das in etwa so viel wie «Heimat» bedeutet. Es heißt domov und ist vom lateinischen domus abgeleitet. Also von dem Begriff eines «Zuhause». Wenn wir diese Idee weiterverfolgen, könnte es auch bedeuten, dass dort, wo unser Haus steht, gleichzeitig unsere «Heimat» ist.
Eigentlich sollte ich diesen Beitrag «Heimat und Migration» nennen. Ich denke das, weil die meisten kreativen Künstler doch Emigranten waren. Sicherlich ist unter den Choreografen kaum einer, der «General in eigenem Lande» geworden ist.
Emigration ist oft ein wichtiges Ingrediens in kreativen Prozessen. Meine eigene Erfahrung hat mich gelehrt, dass das Verlassen des Vater- oder Mutterlandes eine wichtige Rolle im Schaffen eines kreativen Menschen spielt. Die Migration stimuliert nicht nur die Neugier, sondern fesselt auch stark an das Land der Herkunft. Ich durfte viele Jahre nicht in meine «Heimat» zurückkehren, wodurch ich das Land meiner Herkunft zum Teil idealisiert habe. Das mag zwar seltsam klingen, aber es hat seine Berechtigung. Jedenfalls ist es sehr deutlich zu sehen am Schicksal der Emigranten, die zur Emigration quasi gezwungen wurden. Es hat ihnen teilweise ...
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Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Identität, Seite 107
von Jiˇrí Kylián
Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer mussten sich bis in die Wüste namens «Ende der Welt» verirren, um ihm zu begegnen. Am Horizont ragt vor den zwei Freunden plötzlich eine hagere Gestalt mit Spitzhut und knielangem Rauschebart auf. Nach dem ersten Schreck befindet Lukas: «Außer seiner Größe sieht der Riese ja ganz manierlich aus! Ich glaub, der ist völlig...
Heimat ist der Ort, an dem ich geboren und aufgewachsen bin, der Ort, an dem ich mich am Reinsten und Natürlichsten fühle und geben kann. Ein Ort der absoluten Vertraut- und Sicherheit, gestärkt durch ein Umfeld von Menschen, denen ich blind vertraue, und eine Landschaft, eine Natur, die so wunderschön und gewaltig ist, dass es mir jedes Mal aufs Neue den Schalter...
Austauschprojekte mit afrikanischen Tänzern stehen derzeit hoch im Kurs. Ein wahrer Glücksfall ist das Projekt «Hillbrowfication», das die Berliner Choreografin Constanza Macras mit 21 Kindern und Jugendlichen aus Südafrika erarbeitet hat. Die jungen Performer kommen alle aus Hillbrow: Einst ein Vorzeige-Stadtteil von Johannesburg, ist das Viertel heute ein Synonym...
