Jirí Kylián
Es gibt ein Wort im Tschechischen, das in etwa so viel wie «Heimat» bedeutet. Es heißt domov und ist vom lateinischen domus abgeleitet. Also von dem Begriff eines «Zuhause». Wenn wir diese Idee weiterverfolgen, könnte es auch bedeuten, dass dort, wo unser Haus steht, gleichzeitig unsere «Heimat» ist.
Eigentlich sollte ich diesen Beitrag «Heimat und Migration» nennen. Ich denke das, weil die meisten kreativen Künstler doch Emigranten waren. Sicherlich ist unter den Choreografen kaum einer, der «General in eigenem Lande» geworden ist.
Emigration ist oft ein wichtiges Ingrediens in kreativen Prozessen. Meine eigene Erfahrung hat mich gelehrt, dass das Verlassen des Vater- oder Mutterlandes eine wichtige Rolle im Schaffen eines kreativen Menschen spielt. Die Migration stimuliert nicht nur die Neugier, sondern fesselt auch stark an das Land der Herkunft. Ich durfte viele Jahre nicht in meine «Heimat» zurückkehren, wodurch ich das Land meiner Herkunft zum Teil idealisiert habe. Das mag zwar seltsam klingen, aber es hat seine Berechtigung. Jedenfalls ist es sehr deutlich zu sehen am Schicksal der Emigranten, die zur Emigration quasi gezwungen wurden. Es hat ihnen teilweise ...
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Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Identität, Seite 107
von Jiˇrí Kylián
Ihre Performances gehen auf direktem Weg ans Eingemachte. Inzwischen lässt Oona Doherty die viszerale Intensität, die sie als Performerin auszeichnet, auch in eigene Choreografien einfließen: glühende, aufrichtige Porträts männlicher und weiblicher Identitäten, geformt unter dem Schmiedehammer der Gesellschaft. Ihr Stück «Hope Hunt» brachte den choreografischen...
Sie ist eine Virtuosin. Auf Krücken. Sie ist hochspezialisiert und – beziehungsweise: weil – gehandicapt. Zwischen diesen Eckpunkten hat die schottische Performerin Claire Cunningham sich ihren eigenen -Aktionsradius geschaffen und ihren Blick auf die Welt kontinuierlich erweitert. Und den unseren als Zuschauer gleich mit.
Anfangs zeigte sie auf der Bühne...
Das Chicagoer Joffrey Ballet, eine der führenden Ballettkompanien der USA, verzichtet bewusst darauf, seine Tänzerinnen und Tänzer in herkömmliche Hierarchien einzuordnen. Dennoch lässt sich nicht über-sehen, dass eine Joffrey-Ballerina aus dem Emseble herausragt: -Victoria Jaiani, eine der wohl besten klassischen Tänzerinnen, die derzeit in Nordamerika zu erleben...
