Jirí Kylián
Es gibt ein Wort im Tschechischen, das in etwa so viel wie «Heimat» bedeutet. Es heißt domov und ist vom lateinischen domus abgeleitet. Also von dem Begriff eines «Zuhause». Wenn wir diese Idee weiterverfolgen, könnte es auch bedeuten, dass dort, wo unser Haus steht, gleichzeitig unsere «Heimat» ist.
Eigentlich sollte ich diesen Beitrag «Heimat und Migration» nennen. Ich denke das, weil die meisten kreativen Künstler doch Emigranten waren. Sicherlich ist unter den Choreografen kaum einer, der «General in eigenem Lande» geworden ist.
Emigration ist oft ein wichtiges Ingrediens in kreativen Prozessen. Meine eigene Erfahrung hat mich gelehrt, dass das Verlassen des Vater- oder Mutterlandes eine wichtige Rolle im Schaffen eines kreativen Menschen spielt. Die Migration stimuliert nicht nur die Neugier, sondern fesselt auch stark an das Land der Herkunft. Ich durfte viele Jahre nicht in meine «Heimat» zurückkehren, wodurch ich das Land meiner Herkunft zum Teil idealisiert habe. Das mag zwar seltsam klingen, aber es hat seine Berechtigung. Jedenfalls ist es sehr deutlich zu sehen am Schicksal der Emigranten, die zur Emigration quasi gezwungen wurden. Es hat ihnen teilweise ...
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Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Identität, Seite 107
von Jiˇrí Kylián
Heimat ist für mich das, was mein Körper erkennen und verarbeiten kann.
Heimat ist das, was mein Körper enthält.
Heimat ist die natürliche Verbindung mit dem Unbekannten.
Heimat is what makes me clang.
Jone San Martín, Tänzerin, Dance On Ensemble, Berlin
Er war 2012 der «Dancer in the Dark». Schon damals ließ der kleine Eleve der John Cranko Schule für seine tänzerische Zukunft einige Steigerungsmöglichkeiten erwarten. «Den Rücken gerundet, die Hände an der Hosennaht», hieß es damals in tanz, scheint Alessandro Giaquinto die Titelrolle «gleichsam zu erleiden. Ein junger, schlaksiger Woyzeck, der wie ein...
In der Hauptstadt ist dieses Jahr mächtig was geboten: Die experimentierfreudige Tanzfabrik wird 40 Jahre alt, das internationale Festival «Tanz im August» 30, die Anstifterin des allgemeinen Tanzfortschritts, Nele Hertling, kriegt den «Deutschen Tanzpreis», und das Staatsballett mit Johannes Öhman und Sasha Waltz eine neue Intendanz. Klingt doch super, oder? Na...
