Jirí Kylián
Es gibt ein Wort im Tschechischen, das in etwa so viel wie «Heimat» bedeutet. Es heißt domov und ist vom lateinischen domus abgeleitet. Also von dem Begriff eines «Zuhause». Wenn wir diese Idee weiterverfolgen, könnte es auch bedeuten, dass dort, wo unser Haus steht, gleichzeitig unsere «Heimat» ist.
Eigentlich sollte ich diesen Beitrag «Heimat und Migration» nennen. Ich denke das, weil die meisten kreativen Künstler doch Emigranten waren. Sicherlich ist unter den Choreografen kaum einer, der «General in eigenem Lande» geworden ist.
Emigration ist oft ein wichtiges Ingrediens in kreativen Prozessen. Meine eigene Erfahrung hat mich gelehrt, dass das Verlassen des Vater- oder Mutterlandes eine wichtige Rolle im Schaffen eines kreativen Menschen spielt. Die Migration stimuliert nicht nur die Neugier, sondern fesselt auch stark an das Land der Herkunft. Ich durfte viele Jahre nicht in meine «Heimat» zurückkehren, wodurch ich das Land meiner Herkunft zum Teil idealisiert habe. Das mag zwar seltsam klingen, aber es hat seine Berechtigung. Jedenfalls ist es sehr deutlich zu sehen am Schicksal der Emigranten, die zur Emigration quasi gezwungen wurden. Es hat ihnen teilweise ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Identität, Seite 107
von Jiˇrí Kylián
Wenn Alexandre Paulikevitch aus dem Haus geht, gibt er sich aufreizend weiblich. So sieht es zumindest der Großteil der Männer in den Straßen seiner Heimatstadt Beirut, wo Paulikevitch für seine Lockenpracht, seine Haltung und seine Kleidung ausgiebig beschimpft wird. «Das ist so, seit ich mein Auto verkauft habe, um mein Stück finanzieren zu können. Seitdem muss...
Heimat ist für mich das, was mein Körper erkennen und verarbeiten kann.
Heimat ist das, was mein Körper enthält.
Heimat ist die natürliche Verbindung mit dem Unbekannten.
Heimat is what makes me clang.
Jone San Martín, Tänzerin, Dance On Ensemble, Berlin
Nicki Liszta: «Wolfgang»
Auf dem Zuschauerpodest gegenüber lauern Wölfe. Wir würden sie lieben, wären sie nur Hunde. Aber Wölfe wandern und respektieren keine Grenzen. Man kennt sie nur aus der Ferne. Davor haben wir Angst. Jetzt sollen wir sie auch noch bei uns aufnehmen: «Mischlingswölfe, ein bisschen Polarwolf, ein bisschen arabisch», preist die Stimme. Das...
