italien: michele di stefano «around the world in 80 days»
Der Kolonialismus ist auch hundert Jahre nach dem Roman «Reise um die Erde in 80 Tagen» von Jules Verne nicht tot. Er hat nur, folgt man Michele Di Stefano und seiner Kompanie MK, einen neuen Namen angenommen: Tourismus heißt der neue Kolonialismus.
Darüber kann man streiten, aber in beiden Fällen geht es um eine, gelinde gesagt, verquere Haltung zum Reisen. Um das unbekümmerte Durchqueren von Kulturen, auf die man sich nicht einlassen will.
Die Begegnung vollzieht sich in der Regel auf so neutralem Terrain, in einem Hotelfoyer, einem klimatisierten Restaurant oder Resort, dass sie dezidiert auf Abstand bleibt zum Draußen der kulturellen Wirklichkeit.
Auch deshalb ist die Bühne bei Michele Di Stefano ein leerer Raum, den Banalitäten bevölkern, wie es an allen Orten der Fall ist, die transitorisch genannt werden. Entsprechend ironisch wirkt die Haltung der Tänzer. Freizeitkleider und typische Ethno-Accessoires sind ebenso zu sehen wie Spuren traditioneller orientalischer Tänze, die hier von westlichen Körpern aufgenommen werden. Die Choreografie ist von Forsythe’scher Prägnanz, komponiert aus stilisierten, aufs Wesentliche reduzierten Posen und Bildern, Licht- und Soundeffekten.
Ja, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2012
Rubrik: highlights, Seite 45
von Sergio Lo Gatto
Decouflé Superstar: «Wenn mir schon niemand eine Retrospektive widmen will, mache ich es eben selbst.» Das muss er sich gesagt haben, der schillerndste Spaßvogel der Tanzlandschaft. Weil Humor aber schneller altert als das Tragische, zeigt der zuletzt beim Cirque du Soleil und mit den Crazy-Horse-Girls erfolgreiche Philippe Decouflé kein «Best of …». Vielmehr...
tv_________
hans van manen
Bis sich Choreografien im Gedächtnis eines Publikums verankern, vergehen manchmal Jahrzehnte. Hans van Manen hat die Kompanien des Nederlands Dans Theater und Het Nationale Ballet geprägt – umgekehrt bedeutet die Pflege des Repertoires ein erhebliches Verdienst für seinen Weltruhm. Als Kritiker dem Choreografen Mitte der 1990er-Jahre...
Die jüngste Arbeit des französischen Choreografen Jérôme Bel, Premiere war beim «Kunstenfestivaldesarts» in Brüssel, heißt «Disabled Theater». Der Name beschreibt, wie immer bei Bel, akkurat bereits den Inhalt: ein Stück, gemacht von geistig Behinderten, die allesamt professionelle Performer des Theater Hora in Zürich sind. Es mag überraschen, dass ein Mann, der...
