italien: michele di stefano «around the world in 80 days»

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Der Kolonialismus ist auch hundert Jahre nach dem Roman «Reise um die Erde in 80 Tagen» von Jules Verne nicht tot. Er hat nur, folgt man Michele Di Stefano und seiner Kompanie MK, einen neuen Namen angenommen: Tourismus heißt der neue Kolonialismus.

Darüber kann man streiten, aber in beiden Fällen geht es um eine, gelinde gesagt, verquere Haltung zum Reisen. Um das unbekümmerte Durchqueren von Kulturen, auf die man sich nicht einlassen will.

Die Begegnung vollzieht sich in der Regel auf so neutralem Terrain, in einem Hotelfoyer, einem klimatisierten Restaurant oder Resort, dass sie dezidiert auf Abstand bleibt zum Draußen der kulturellen Wirklichkeit.

Auch deshalb ist die Bühne bei Michele Di Stefano ein leerer Raum, den Banalitäten bevölkern, wie es an allen Orten der Fall ist, die transitorisch genannt werden. Entsprechend ironisch wirkt die Haltung der Tänzer. Freizeitkleider und typische Ethno-Accessoires sind ebenso zu sehen wie Spuren traditioneller orientalischer Tänze, die hier von westlichen Körpern aufgenommen werden. Die Choreografie ist von Forsythe’scher Prägnanz, komponiert aus stilisierten, aufs Wesentliche reduzierten Posen und Bildern, Licht- und Soundeffekten.

Ja, ...

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Tanz Juli 2012
Rubrik: highlights, Seite 45
von Sergio Lo Gatto

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