Fotos: Colours Festival Theaterhaus Stuttgart, RahiRezvani
Grand Finale
Paris ist nicht mehr, was es einmal war: Stadt der Träume, großes Versprechen. Wer mit dem Bus vom Flughafen Charles de Gaulle kommend die Bezirke außerhalb des Autobahnrings durchquert, um über eine der nördlichen Zufahrten wie Porte de la Chapelle ins Zentrum zu gelangen, wird eines Elends ansichtig, das von Jahr zu Jahr verstörendere Ausmaße annimmt. Auf den Verkehrsinseln der Randboulevards türmen sich Kleider, Plastikmüll, ausrangierte Haushaltsgüter wie Töpfe, Bettgestelle oder marode Kühlschränke.
Armut und Verwahrlosung hausen hier, unter freiem Himmel – Menschen, vor allem sehr junge und sehr alte, die offensichtlich keine Chance haben (oder sehen), ein Bein auf den Boden zu bekommen. Entwurzelte, die nicht nur die Wohlstands-Optik beeinträchtigen, sondern auch das Wahlverhalten beeinflussen. Wiewohl Marine Le Pen vorerst den Kürzeren gezogen hat und die befürchtete extremistische Verschiebung der Politachsen ausgeblieben ist: Wer sagt, dass Emmanuel Macron die Grande Nation versöhnen, die traditionell elitären Leistungsträger auf mehr Solidarität und weniger Klassendünkel einschwören, die Abgehängten und sich selbst Abhängenden ankoppeln kann? Die Pariser in den eleganten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 22
von Dorion Weickmann
Es wird nie mehr auf Reisen gehen, Madrid nie mehr verlassen. Kein Jubiläum, kein noch so verlockendes Angebot kann die Kuratoren des Prado dazu bringen, Hieronymus Boschs monumentalen «Garten der Lüste» außer Haus zu geben. Zu wertvoll, zu einzigartig und in der Substanz zu fragil ist das Triptychon, das trotz sakraler Anmutung doch nie einen Altar zierte....
Eigentlich hätte «A Love Supreme» das Zeug zum choreografischen Gassenhauer, ähnlich dem «Boléro». Genau wie Maurice Ravels Klassiker schafft John Coltranes Befreiungsschlag der Jazz-Geschichte einen Sog, dem sich niemand entziehen kann. Anne Teresa De Keersmaeker hat zu dem revolutionären Opus von 1964 nun zwei verschiedene Stücke aufgelegt. Dabei bearbeitet sie...
Der Clown des Großvaters war der tolldreiste Anarchist (man denke an Keaton oder Chaplin). Auch der Clown des Vaters, wie der letztes Jahr verstorbene Clown Dimitri, hat der Figur noch ein Lachen entlockt (tanz 10/16). Der Clown der Kinder heute aber ist böse, so böse, dass ein Würzburger Gericht zwei Horror-Clowns unlängst wegen gefährlicher Körperverletzung...
