Gezeiten

Erschütternd: Sasha Waltz’ «Gezeiten» in Berlin spekulieren mit der Katastrophe.

Tanz - Logo

Das Wort Katastrophe, aus dem Altgriechischen stammend, meint eine Wendung, die sich gegen etwas oder einen richtet. Darum gehört die Katastrophe auf die erhabene Seite der Natur wie der Steinschlag im Gebirge. Akustisch hebt so auch das neue Stück von Sasha Waltz an, das Grollen eines Erdbebens, der Weinkrampf einer Frau. Mit geschlossenen Augen ist das Stück ein Inferno.

Katastrophen verwandeln in Sekunden­bruchteilen Regionen in Baustellen. Bei Waltz ist der Putz ab, Wasserleitungen hängen blind an der Wand. Die Tänzer wanken, und mit ihnen fallen Stühle und Tische.

Für Sekunden schwankt die Choreografie wie ein Kronleuchter: Die Erde bebt, ohne zu beben, alles fließt aus den Körpern. Wunderbar. Dann ist die Erde still. Der Club der Überlebenden weint und schnattert auf Spanisch. Bunker nach dem 3. Weltkrieg. Die Feuertür ist abgeschlossen. Nichts. Nichts. Minute 40 tröpfelt herbei. Bis dahin spielte James Bush einmal Cello, ein Infizierter wurde mit Plastikhandschuhen behandelt, vier Gräber mit Ziegelsteinen markiert. Die Minuten nach der Katastrophe sind die schlimmsten. Alle warten. Auch das Pub­likum. Dann gibt es Essen. Ein Care-Paket wird he­reingereicht. Juan Kruz singt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2006
Rubrik: Premiere, Seite 12
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Darling Mårten

Darling Mårten, if there is any one person merited to be called the Diva of Swedish dance it is you, Mårten Spångberg. Like no one else you can do whatever you like on stage – and get the ordinary audience as well as the elite come running for tickets. Now you have new venture, the solo “Heja Sverige” (Go for it Sweden!), performed in the studio of Moderna...

Kreutzerkompani: «Elevator 2»

This is a new version of 2003’s Elevator. Kreutzerkompani’s staple elements of movement, live video and audio are used, and the basic set-up is the same. Kreutzerkompani have a firm command of the use of video and audio technologies for creating their unique aesthetic, which levels out the relationship between Eva-Cecilie Richardsen’s choreography, HC Gilje’s...

John Jasperse: «Prone»

John Jasperse‘s new performance work contains dancing, or, rather, dancelike behavior, but the focus is the audience, 48 tops at each performance, who serve as the major set element, a living floor. “Prone” is an interactive thing. You should prepare to lie down on your back on one of 24 transparent air mattresses for half of the 70-minute running time. 
The...