From Shiraz, with love
«Only a broken voice can fix a broken world», schreibt Sorour Darabi in seinem Gedicht «Night». In «seinem» Gedicht? Gendertechnisch ist das Maskulinum hier im Grunde nicht darstellbar. Das Femininum aber erst recht nicht. Was bleibt da übrig? Selbst ein Mischpronomen wie «sier» greift zu kurz, denn da sind ja immer noch starre Begriffe von weiblich und männlich im Spiel. Und die passen nicht zu dem Bild, das Darabi von sich selbst entfaltet: dem Bild eines Wesens, das wie eine Wolke über allen Gendermotiven schwebt und die Transformation zum Dauerzustand erklärt.
Allein der Begriff «queer» scheint allgemein genug gefasst, um auch Darabi zu erfassen, der, die oder wie auch immer einst aus Iran nach Frankreich kam, um in Montpellier den 1998 von Mathilde Monnier gegründeten Studiengang «ex.e.r.ce» zu durchlaufen. Schon da erregte die geschlechtlich undefinierbare Erscheinung mit Bartflaum, schwarzer Lockenpracht und hoher Stimme gesteigertes Interesse. Und wurde flugs von Jean-Paul Montanari in dem von ihm geleiteten Festival «Montpellier Danse» präsentiert. Es war ein erster Auftritt, ein erstes Solo, mit dem Titel «Farci.e», bereits mit inklusiver Schreibweise spielend und ein ...
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Tanz Oktober 2024
Rubrik: Menschen, Seite 20
von Thomas Hahn
CD des Monats
DON QUIXOTE
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Emanuel Gat hat es tatsächlich gewagt. Ein ganzes Album von Kanye West würde er vertanzen, hatte der Choreograf angekündigt, und dazu noch Beethoven mit ins Boot holen, zu einem musikalischen Pas de deux. Wobei man sich fragen durfte, welche der beiden Ideen mehr Elektrizität erzeugen würde: der Rapper allein oder dessen Begegnung mit dem 2. Satz aus der...
Sie sitzt in Reihe 5, als das Licht mählich erlischt. Wie mag sich das anfühlen, der Premiere der eigenen Inszenierung vom Parkett aus beizuwohnen? Sasha Waltz braucht ein Weilchen, bevor sie zur Ruhe kommt. Bevor sie nicht mehr die Choreografin, die Regisseurin des Abends ist, die dem etwas saumseligen Chor bedeuten muss aufzustehen: indem sie die Handflächen nach...
