Eun-Me Ahn «Post-Orientalist Express»
Eun-Me Ahn ist ein Farbtupfer, in jeder Hinsicht. Ihr Studio in der Hauptstadt Südkoreas liegt hinter einer Tankstelle, im Untergeschoss. Draußen die Stadtautobahn, Betonfassaden, Menschen in dezenten Grauoder Beigetönen, ein Paar grüne Sträucher – aber selten. Dann geht man die Treppe herunter, stößt die Tür auf, und urplötzlich exaltieren die Farben, in knallendem blau, rot, gelb, grün … Zwischentöne? So gut wie keine. Koreas Enfant terrible und ihre Choreografien sind aus radikalem, orgiastischem Stoff gewoben.
«Post-Orientalist Express» heißt Eun-Me Ahns jüngstes Stück, das Anfang Mai in Seouls Sejong Center for the Performing Arts Premiere hatte. In dem Vorgängerwerk «Dragons» befragte sie jugendliche Tänzer*innen aus verschiedenen Ländern Asiens zu deren Lebensweisen, Vorlieben, Wünschen und Zukunftsvisionen Die neue Orient-Reise unternimmt sie ausschließlich mit koreanischen Interpret*innen, und auf der Bühne ist zu sehen, wo sie ihr Material gesammelt hatten, für eine Asientour der kulturellen Traditionen und Stereotypen: auf den Philippinen, auf Bali und Okinawa, in Indien. «Aber es geht um den Orient insgesamt, weshalb wir auch türkische und russische Einflüsse ...
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Tanz November 2025
Rubrik: Kalender, Seite 30
von Thomas Hahn
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