Endlichkeit
Zu. Auf. Zu, alles wieder zu. Derzeit wieder keine Vorstellungen, Wien im vierten Lockdown. Gerade eben noch in der Staatsoper: die von Publikum und Presse sehr gut aufgenommene Uraufführung von Marco Goeckes «Fly Paper Bird», platziert in der Mitte eines dreiteiligen Abends, der mit Martin Schläpfers wohl ironisch gemeinter, 2006 in Mainz herausgebrachter Strauß-Auseinandersetzung «Marsch, Walzer, Polka» begann und mit Balanchines «Symphony in C» endete.
Das Programm spannt in der Tat einen weiten Bogen unterschiedlichster Ästhetiken und tanztechnischer Ansprüche und macht, nach dem Abschied des Klassizisten Manuel Legris aus der Direktion, einen Wandel unübersehbar: Vertrat Legris eine am Pariser Modell orientierte Linie, in der eine hierarchisch ausgerichtete, von Eleganz geprägte Ensemblewirkung auch die wenigen Uraufführungen dominierte, scheint mit Martin Schläpfer eine gänzlich andere Erscheinungsweise von Tänzer*innen angesagt. Das Ensemble wirkt nun wie eine sehr große Gruppe aus Individualist*innen recht unterschiedlichen Könnens.
Eher bodennah als klassisch
Ob sich diese Art der Zusammenstellung, die im ersten Moment angesichts gesellschaftlicher Diskussionen durchaus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Januar 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 9
von Andrea Amort
Ein Tanzstück wurde vor der Pandemie zum Quotenhit am Mainzer Staatstheater: «Soul Chain» von Sharon Eyal. Jetzt hat die israelische Choreografin mit drei Tänzerinnen und vier Tänzern in ziemlicher Abgeschiedenheit an «Promise» gearbeitet, das im Kleinen Haus zur Uraufführung kam. Das Stück ist nur 45 Minuten lang, aber wie stets bei Eyal ein unaufhörlicher...
Entmündigt
Ein arabischer und ein chinesischer Tanz, komponiert von dem Russen Peter Tschaikowsky, minutenkurz, gesehen durch die Brille des 19. Jahrhunderts. Und so rekonstruiert, wie bei der St. Petersburger Uraufführung 1892 gezeigt. Ist das heute wirklich Grund genug, eine teure «Nussknacker»-Produktion als jüngsten Fall von Cancel Culture abzusetzen, wie beim...
Spotlight: Yolanda Morales
Was für ein Thema für den zeitgenössischen Tanz: Im vierten Teil seines Romans «2666» – «Verbrechen» – beschreibt Roberto Bolaño die Leichenfunde von Ciudad Juárez, die zu einer seit Anfang der 1990er-Jahre im Norden Mexikos andauernden Mordserie gehören. Yolanda Morales’ Arbeit «2666» bezieht sich, neben dem brutalen Femizid, der in...
