Tanz schaffen
Uns erreicht ein Neujahrs-Wunschzettel aus Kärnten. Und da Neujahrswünsche mitunter erhört werden, bittet die Autorin, Andrea K. Schlehwein, den Begriff der «Kulturschaffenden» – hier mitgemeint: der «Tanzschaffenden» – endlich auf dem Müllplatz der Geschichte zu entsorgen. Soll man ihren Wunsch erfüllen? Zwar waren in der DDR, in der besonders gern von Kulturschaffenden gesprochen wurde, mit diesem Wort stets auch alle mitgemeint, die nicht als Künstlerinnen und Künstler auf den Bühnen agierten: alle Beteiligten hinter den Kulissen.
Der Tanz durfte also als kollektive Leistung auch der Werkstätten und Ballettsäle gedacht werden. Eigentlich doch fast ein sprachlicher Beitrag zur Inklusion.
Was die DDR aber nicht wissen wollte: Die Nazis stellten «Schaffende» gegen «Raffende». Das galt auch für Kulturschaffende. Hier gab es eine angeblich fleißige arische Wertegemeinschaft, und dort alle anderen jüdischen und sonstigen Minderheiten. Mit Inklusion waren also nur diejenigen gemeint, die es kraft des rassistischen Weltbildes auch verdienten.
Niemand möchte darum je wieder das Wort vom «Kulturschaffenden» nutzen, eben weil es derart schamlos benutzt wurde, und sich auch nicht reinigen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Januar 2022
Rubrik: warm-up, Seite 3
von Arnd Wesemann
Dem Ballettklassiker «La Fille mal gardée» kann man beim besten Willen keine tiefere Bedeutung nachsagen. Das älteste Handlungsballett, das bis heute in unterschiedlichen Versionen aufgeführt wird, ist rein komödiantischer Stoff. Obwohl im Revolutionsjahr 1789 uraufgeführt, hat das Libretto nichts Revolutionäres an sich, sieht man mal davon ab, dass das auftretende...
Christiane Theobald ist eigentlich schon auf Abruf. In eineinhalb Jahren wird die Interimsintendantin des Berliner Staatsballetts die Leitungsaufgaben an Christian Spuck abgeben, Choreograf und derzeit noch Direktor des Ballett Zürich. Beide kennen sich gut, schätzen sich – auch deshalb nutzt Theobald die verbleibende Zeit, um ein paar sehr entscheidende Weichen zu...
Dieser kleinwüchsige Mann mit seinem grausamen Humor hatte die Macht, aus einer Pariser Nachtklub-Künstlerin einen Star zu machen. Henri de Toulouse-Lautrec frequentierte die Folies Bergère, um sich dort zu betrinken, umgeben von Tänzerinnen und Kurtisanen. Der Star-Maker von Montmartre galt als genialer Plakatkünstler, seine Lithographien waren überwältigend. Auch...
