Tanz schaffen
Uns erreicht ein Neujahrs-Wunschzettel aus Kärnten. Und da Neujahrswünsche mitunter erhört werden, bittet die Autorin, Andrea K. Schlehwein, den Begriff der «Kulturschaffenden» – hier mitgemeint: der «Tanzschaffenden» – endlich auf dem Müllplatz der Geschichte zu entsorgen. Soll man ihren Wunsch erfüllen? Zwar waren in der DDR, in der besonders gern von Kulturschaffenden gesprochen wurde, mit diesem Wort stets auch alle mitgemeint, die nicht als Künstlerinnen und Künstler auf den Bühnen agierten: alle Beteiligten hinter den Kulissen.
Der Tanz durfte also als kollektive Leistung auch der Werkstätten und Ballettsäle gedacht werden. Eigentlich doch fast ein sprachlicher Beitrag zur Inklusion.
Was die DDR aber nicht wissen wollte: Die Nazis stellten «Schaffende» gegen «Raffende». Das galt auch für Kulturschaffende. Hier gab es eine angeblich fleißige arische Wertegemeinschaft, und dort alle anderen jüdischen und sonstigen Minderheiten. Mit Inklusion waren also nur diejenigen gemeint, die es kraft des rassistischen Weltbildes auch verdienten.
Niemand möchte darum je wieder das Wort vom «Kulturschaffenden» nutzen, eben weil es derart schamlos benutzt wurde, und sich auch nicht reinigen ...
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Tanz Januar 2022
Rubrik: warm-up, Seite 3
von Arnd Wesemann
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tanz. Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance
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