Eitelkeit

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Muss sich ein Künstler die Frage stellen, ob er eitel ist, oder sogar zu eitel? Ein Künstler ist immer auf der Suche nach der eigenen Identität. Doch im Ballettsaal, umgeben von Spiegeln – großen Spiegeln, solchen denen man nicht entrinnen kann – und umringt von jungen, schönen Tänzern, geht es vor allem um Perfektion. Aber auch um Einklang mit sich selbst. Unter diesen Umständen ist es schwierig, sich nicht mit seinem Spiegelbild, seinem Äußeren, der Attraktivität und deren Wirkung auseinanderzusetzen.



Im klassischen Ballett geht es meist um körperliche Grenzen und darum, diese Schritt für Schritt auszuweiten, die Räume dahinter zu öffnen, sie begehbar zu machen. Das hat immer mit Ehrgeiz zu tun. Folgt daraus nicht automatisch der Drang, sich auch äußerlich zu optimieren, sich sozusagen konkurrenzfähig zu machen, das Beste rauszuholen, die Möglichkeiten voll auszuschöpfen? Dem Ballett wird oft Oberflächlichkeit vorgeworfen. Aber die Schönheit und Strahlkraft einer Julia ist ohne einen unwiderstehlich charmanten Romeo nicht denkbar – und umgekehrt. Das gilt nicht nur im Tanz. Auch im Theater, im Film wird man lange nach einem Romeo mit Haarausfall oder einer Julia mit Mischhaut ...

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Tanz Mai 2017
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Michael Banzhaf

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