Eitelkeit
Muss sich ein Künstler die Frage stellen, ob er eitel ist, oder sogar zu eitel? Ein Künstler ist immer auf der Suche nach der eigenen Identität. Doch im Ballettsaal, umgeben von Spiegeln – großen Spiegeln, solchen denen man nicht entrinnen kann – und umringt von jungen, schönen Tänzern, geht es vor allem um Perfektion. Aber auch um Einklang mit sich selbst. Unter diesen Umständen ist es schwierig, sich nicht mit seinem Spiegelbild, seinem Äußeren, der Attraktivität und deren Wirkung auseinanderzusetzen.
Im klassischen Ballett geht es meist um körperliche Grenzen und darum, diese Schritt für Schritt auszuweiten, die Räume dahinter zu öffnen, sie begehbar zu machen. Das hat immer mit Ehrgeiz zu tun. Folgt daraus nicht automatisch der Drang, sich auch äußerlich zu optimieren, sich sozusagen konkurrenzfähig zu machen, das Beste rauszuholen, die Möglichkeiten voll auszuschöpfen? Dem Ballett wird oft Oberflächlichkeit vorgeworfen. Aber die Schönheit und Strahlkraft einer Julia ist ohne einen unwiderstehlich charmanten Romeo nicht denkbar – und umgekehrt. Das gilt nicht nur im Tanz. Auch im Theater, im Film wird man lange nach einem Romeo mit Haarausfall oder einer Julia mit Mischhaut ...
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Tanz Mai 2017
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Michael Banzhaf
«Neugier²», so nennt das Feldenkrais-Zentrum Heidelberg sein jüngstes Forschungsprojekt. Es macht sich den doppelten Spaß, die Neugier als Fundament vergnüglichen Lernens neugierig zu erkunden. Warum? Neugier gilt als Schlüsselkompetenz für spontanes, nachhaltiges, körperorientiertes Lernen. Dieser Begriff könnte auch als Subtext unter dem ehrgeizigen Research...
Seit Beginn dieser Spielzeit ist Ivan Alboresi Ballettdirektor am Theater Nordhausen, das seine Produktionen auch in Thüringen tourt. Alboresi bringt Regieerfahrungen in Schauspiel und Musical mit und ist von daher ein spartenübergreifender Teamplayer in der Theaterleitung. Über dem zweiteiligen Abend, den der gebürtige Turiner gemeinsam mit dem Katalanen Pedro...
Antoine Jully, im dritten Jahr Ballettchef am Staatstheater Oldenburg, hat mit guter Arbeit, guter Auslastung und guten Ideen gepunktet. Dafür steht ihm jetzt erstmals für einen Abendfüller das Staatsorchester zur Verfügung. Musikalisch beginnt «Men and Women» so feinnervig wie Schuberts «Unvollendete». Dann aber verdichtet sich Allan Pettersons 6. Sinfonie zu...
