Die Krisenfeste
Hackesche Höfe, Anfang der 90er-Jahre. Die Treppenhäuser sind verfallen. Manche Räume gesperrt. Irgendwo dort zeigt die Choreografin Sasha Waltz gemeinsam mit der Tänzerin Takako Suzuki eine kleine Arbeit, «Bungalow». Die beiden kämpfen mit einer Kühlschranktür und anderen sich selbstständig machenden Objekten. Alltag, ins Surreale überdreht. Überraschend, komisch, ungewohnt – und bei allem Witz auch eine genaue Analyse menschlichen Miteinanders.
Sasha Waltz ist zu dem Zeitpunkt, nach einem Stipendium im Berliner Künstlerhaus Bethanien und einer dort präsentierten «Dialoge»-Reihe, schon ein Geheimtipp. Aber was kommen würde, hat wohl niemand geahnt.
Nämlich: Eroberung einer Theaterinstitution für den zeitgenössischen Tanz! Spektakuläre Eröffnungs-Bespielungen von großen Museen! International tourende Opern! So viele, immer wieder neue, überraschende Höhen, so eine steile Karriere, so eine vielfältig in unterschiedlichste Richtungen gehende künstlerische Entwicklung. Aber eben auch immer wieder: so dramatische Krisen. In diesem September feiert die Company Sasha Waltz & Guests ihr 30-jähriges Jubiläum. Es ist eine sagenhafte Erfolgsgeschichte und der künstlerische Rang der ...
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Tanz August-September 2023
Rubrik: Menschen, Seite 30
von Michaela Schlagenwerth
Wummernd wie ein Rave, bunt und voller Energie knallt dieses dezidiert junge Stück auf die Bühne – Hofesh Shechter hat es einst für Göteborgs-Operans Danskompani kreiert und dann für seine Juniorkompanie verkleinert, jetzt zeigt Gauthier Dance den wilden Ausflug ins Clubbing. Die heftigen Rhythmen, wie immer vom Choreografen selbst komponiert, münden schließlich in...
«Das Tanzkunstwerk hat seine Zeit, nicht anders als der Tänzer selber der Zeitspanne verhaftet ist, die es ihm gestattet, sich seines Körpers als Instrument souverän zu bedienen. Das ist das tänzerische Schicksal. Wir alle haben es erfahren und anerkennen müssen. Und doch geschieht nichts umsonst. Alles Gelebte und aus dem Erlebten Gestaltete erhält und erfüllt...
Kein Abschied. Jedenfalls nicht für Jean-Christophe Maillot. «Les Adieux» heißt das Stück, mit dem sich im Dezember 1986 der damalige Direktor des Centre Chorégraphique National de Tours an seiner späteren Arbeitsstätte vorstellt: ein Ballett, choreografiert zu Haydns Abschiedssymphonie, das sicher nicht die Welt «bewegt», aber dem gerade mal 26-Jährigen immerhin...
