Die Ballerina als Gefährt

die Madonna als Gefährtin. Was haben die Heiligen mit dem Tanz zu tun? Warum beten wir die Ballerina an? Eine philosophische Spazierfahrt mit dem Tanzpfarrer Jochen Wagner rund um den Starnberger See. Arnd Wesemann saß auf dem Beifahrersitz.

Tanz - Logo

Der ungarische Religionswissenschaftler Mircea Eliade veröffentlichte 1957 die Schrift «Das Heilige und das Profane». Er fragte: Wie kann ein x-beliebiger Raum «heilig» werden? Man kann ein Schloss davor hängen. Dann ist der Raum privat. Man kann beschließen, dass einen Raum nur eine winzige Minderheit betreten darf. So erhält man einen Altarraum oder eine Bühne. Man errichtet einen schützenden Orchestergraben davor und zwingt das Publikum, den Blick auf die Bühne oder den Altar zu richten.

Selbst wenn man keinen Altar baut, wie im muslimischen Glauben, kann man um den heiligen Ort eine Mauer ziehen und verlangen, dass die Teppiche in der Moschee wie in einem Tanzstudio nur barfuß oder auf Socken betreten werden dürfen. Eine Moschee als Schutzraum für lauter Gleiche. Das ist ein Tanzraum auch. Da bei einer Moschee die Bühne fehlt, ist sie das, was man heute einen «demokratischen» Raum nennt: er hat kein Zentrum. Die Kanzel auf der Leiter im Freitagsgebet ist weder Altar noch Bühne, sondern ein Hilfsmittel, um den Imam besser zu verstehen. Wenn kein Freitag ist, steht die Leiter achtlos an der Seite. Dieser Imam mag keinen Tanz. Warum nicht?

Beim Tanzpfarrer

Tutzing am Starnberger ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2006
Rubrik: Heilige Ballerina, Seite 14
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Fabeln von La Fontaine

La Fontaine schrieb zwar weit mehr als zwölf Fabeln, aber Annie Sellems La Petite Fabrique wird kein dreizehntes Duo mehr produzieren. Das Dutzend ist nun voll. Die letzten beiden Kreationen gehören Karine Ponties aus Belgien («Phébus et Borée») und Mohamed Shafik aus Ägypten («Le loup du chien»). Die rassigsten Pferde im Stall sind sie nicht. Die freiesten und...

Wer war Veronika Blumstein?

Trisha Brown in München, Yvonne Rainer in Wien, Deborah Hay in Paris und Robert Rauschenbergs Werke gleich an mehreren Orten: die Postmoderne ist so präsent wie lang nicht mehr. Weil sich aber zeitgleich der Zeitgeist immer konservativer gebärdet, sind die Öffnung der Werkformen, der interdisziplinäre Charakter der Arbeit und die Sensibilisierung für den sozialen...

Anouk van Dijk

Anouk van Dijk was during her career as a dancer a celebrated, prize-winning soloist in works by a wide range of choreographers, such as Amanda Miller, Merce Cunningham, Stephen Petronio, Shusaku Takeuchi, Bebe Miller and Tere O’Connor. Having started to choreograph herself already in the beginning of her career, Anouk van Dijk founded her own company in 1998. Her...