der lehrer: laurent chetouane

Ihr Workshop bei der diesjährigen «Tanzwerkstatt Europa» läuft unter dem Titel «Ethik einer Bewegung». Was kann man sich darunter vorstellen?
Mich fasziniert die Figur der Antigone, weil es unmöglich ist, sie heute darzustellen. Ausgehend von dieser Figur bin ich auf Jacques Lacan und die Frage des Begehrens gestoßen. Das Begehren und die Ethik sind für Lacan zwei Begriffe, die zusammengehören. Für ihn ist Antigone eine Person, die ihrem Begehren folgt.



Wie kommt man davon auf Tanz?
An dem Punkt, an dem Bewegung eine Notwendigkeit besitzt, aber anfängt, unerklärlich zu werden, weil sie nicht in ein formales Muster, eine Schule oder Ästhetik passt, die man erkennt, auch nicht psychologisch erklärbar ist. Es gibt eine Lust an dieser Bewegung, die extrem präzise und notwendig ist, man kommt aber nicht dahinter, warum sie gemacht wird. Auch das Bewusstsein ist für mich eine Frage der Ethik.

Inwiefern?
Ein Performer muss sich dessen bewusst sein, dass er angesehen wird und dass er zurückblickt. Die Relation zwischen dem Betrachteten und dem Betrachtenden infrage zu stellen, das ist für mich auch eine Frage der Ethik, damit man sich nicht einfach dem Bild hingibt. Wie eine Dauerreflexion, ...

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Tanz Juni 2011
Rubrik: praxis, Seite 74
von Katja Schneider

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