Demis Volpi «Giselle»
Bevor sich der Vorhang öffnet, treten zwei Paare zum Schlussapplaus heraus – Signal für: Achtung, hier wird gleich seitenverkehrt gespielt. In der Tat zäumt Demis Volpi seine am Düsseldorfer Opernhaus uraufgeführte «Giselle«-Version zeitlich von hinten auf. Die Ausgangsposition ist ein xbeliebiges Theater, an dem gerade eine x-beliebige Inszenierung des Klassikers zu Ende gegangen ist.
Was sich im Bühnenbild leider auf die allersimpelste Weise widerspiegelt: Fachwerkhütte links, Holzbänkchen rechts – ein Setting, das sich wahlweise als traditionell oder einfallslos klassifizieren lässt.
Dabei tritt der Direktor des Ballett am Rhein mit dem Vorsatz an, die Tradition zu durchkreuzen, findet er doch – so das Programmheft – den Zuschnitt des Originals von 1841 nicht mehr zeitgemäß. Weshalb er eine queer und polyamourös gefärbte Interpretation entworfen und sie mit feministischen Applikationen – Anleihen bei Virginia Woolf und Ingeborg Bachmann – versehen hat. Was im zweiten Akt funktioniert, im ersten aber danebengeht.
Wir sehen zunächst die Abräumprozesse nach Ende der Aufführung: Bühnenarbeiter schaffen Ordnung, Garderobieren fahren Kleiderstangen umher, die Tänzerinnen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August-September 2023
Rubrik: Kalender, Seite 43
von Dorion Weickmann
Im vergangenen Jahr ist die in Kuba geborene US-amerikanische Malerin Carmen Herrera im Alter von 106 Jahren gestorben. Ihre abstrakt-geometrischen Formen, die an Landschaften mit Fluchtpunkten erinnern, bilden den Prospekt für Wayne McGregors Kreation «Untitled, 23». Zwei vergrößerte Gemälde und eine schlichte weiße Skulptur, die wie die Ecke eines Bilderrahmens...
Rund ist das Zirkuszelt, rund die hölzerne, niedrige Bühne, rund das Solo, im doppelten Sinn des Wortes. Das vierte «Circus Dance Festival» in Köln ermöglicht, einen bemerkenswerten Protagonisten der zwischen Zirkus und zeitgenössischem Tanz wachsenden Szene wiederzusehen: Alexander Vantournhout. Der Belgier hat tatsächlich beides studiert, Artistik und bei...
Nach «Forêt», einem Museums-Projekt im Denon-Flügel des Pariser Louvre, ist «EXIT ABOVE after the tempest» die zweite Produktion, die Anne Teresa De Keersmaeker mit ihrer Kompanie Rosas nach dem Corona-Lockdown für die große Bühne geschaffen hat. Während «Forêt» mit einem Sturm endet, den kein Geringerer als Leonardo da Vinci heraufbeschwört, beginnt «EXIT ABOVE...
