Choreografin des Jahres: Lia Rodrigues
Um es gleich zu sagen: Ich bin eine einfache Choreografin, keine, die sich mit der Politik in Brasilien besonders gut auskennt. Natürlich habe ich zu all den Vorfällen in meinem Land eine sehr persönliche Meinung, auch zum Präsidenten Jair Bolsonaro, der heute, am Tag unseres Gesprächs, 130 Tage im Amt ist. Aber ich denke, meine Meinung ist nicht sehr wichtig.
Auch wenn gerade Abertausende in 170 Städten in Brasilien auf die Straße gehen, um gegen die geplanten Kürzungen um satte 30 Prozent in öffentlichen Schulen und Universitäten zu protestieren, erlaube ich mir trotzdem zu sagen: Brasilien hat nicht erst seit gestern ein Problem. Klar, dieser Präsident ist im Moment gut für die Schlagzeilen – wegen seiner Waffengesetze, wegen seines Rassismus, aber diesen Makel hat er nicht allein. Brasilien insgesamt ist ein rassistisches Land. Erst Lula da Silva hat es 2003 als Präsident möglich gemacht, dass auch Schwarze und Arme Universitäten besuchen konnten. Der Mangel an Bildung in Brasilien ist aber ein so gewaltiges Problem, dass es ganz sicher nicht durch ein paar Jährchen der Bildungssubvention gelöst werden kann.
Für mich als privilegierte, weil weiße Brasilianerin ergibt sich eine ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Choreografin des Jahres, Seite 124
von Lia Rodrigues/Aufgezeichnet von Arnd Wesemann
Eigentlich betrachte ich mich als einen ziemlich rationalen und wenig abergläubischen Menschen. Aber wenn es um Auftritte geht, sieht das ganz anders aus. Mit den Jahren habe ich so viele Glücksbringer angehäuft und Rituale ausprobiert, dass ich mich immer mal wieder einer gründlichen Anti-Aberglauben-Prozedur unterziehe und ein paar Gegenstände ausmustere....
Sie hat keine Scheu vor politischer (Tanz-)Geschichte, vor der brodelnden Gegenwart schon gar nicht. Eva-Maria Schaller, ausgebildet an der Ballettschule der Wiener Staatsoper und bei Codarts in Rotterdam, ist zeitgenössische Tänzerin – etwa bei Emio Greco, Itzik Galili, Anouk van Dijk. Außerdem choreografiert sie, unterrichtet Countertechnique und nähert sich mit...
Um zu verstehen, worauf wir auf den ersten Blick perplex oder belustigt reagieren, könnten wir in den DeLorean DMC-12 aus «Zurück in die Zukunft» steigen und den Fahrer bitten, uns im Jahr 2120 abzusetzen, falls es dann noch ein bewohnbares Fleckchen Erde gibt. Im Fokus unserer Neugier stünde nicht, was wir aus der Welt gemacht haben, das überlassen wir dem...
