bozen on tour
Durch die Leere führt ein Strich. Aus dem Strich wird ein Kreis. Je transzendentaler, desto besser. Nacera Belaza macht keine Bühnenshows. Bei ihr laufen repetitive Muster, von Anfang bis Ende mit minimalen Variationen durchsetzt. Da bleibt nichts kleben. Keine Geschichte, keine Bilder, keine zeitliche Orientierung. Selbst der Titel hilft nicht. Dabei setzt «La Traversée», auf Deutsch «Durch»- oder «Überquerung», Begriffe wie Anfang, Ende und Dauer voraus, und noch dazu eine Idee von Linearität.
In «La Traversée» läuft alles rund anstatt linear.
Drei Damen und ein Herr in dunkel verwaschenem Einheits-Outfit drehen sich im Kreis und rotieren durch eine Art Schwarzes Loch wie Gestirne um einen Magnetkern, der sich immer wieder umpolt. Nähern sie sich einander, so verbiegt sich die innere Statik der Körper und verschiebt deren Umlaufbahnen. Hinterließen sie Spuren, ergäben sich wohl Rosettenmuster. Das ganze System ist zwar intuitiv durchschaubar, aber so ausgefeilt und komplex, dass es mit immer neuen Variationen von Intensität und Rhythmen überrascht. Der fotografischen Momentaufnahme entzieht sich diese Arbeit völlig. Nur in der Dauer entfaltet «La Traversée» seine Wirkung, über ...
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Tanz Juli 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 46
von Thomas Hahn
Die Anfänge seiner Choreografien schiebt Jefta van Dinther gern lang sam aus einem Nullpunkt heraus: aus der Reglosigkeit, wie einst bei «It’s in the air» (2009), dem Duett des Schweden mit Mette Ingvartsen. Oder aus der Ununterscheidbarkeit der Performer vom streunenden Publikum bei «The way things go» (2011); und diesmal aus völliger Dunkelheit und Stille. Ein...
Nachdem wir nicht mehr einen Koffer voller Wecker, Kompass, Schreibmaschine, Landkarte, Kalender, Kamera und dergleichen durchs Leben schleppen, nachdem auch Radio, Spiele, Taschenlampe, Bücher, Platten und die Wetterstation den allerkleinsten Platz im Telefon gefunden haben, rückt der schwer erleichterte Körper selbst in den Fokus. Wo einst die Armbanduhr saß,...
Allein schon das Bühnenbild kann sich sehen lassen. Eno Henze, ein Berliner Künstler, hat es entworfen. Wuchtig in seiner Wirkung und zugleich beweglich, gibt es der Alt-Saga «Tristan + Isolde» auf abstrakte, aber wandelbare Weise Raum. Von Bert Dalhuysen ingeniös beleuchtet, scheint alles in der Schwebe, besitzt aber Atmosphäre genug, die Schauplätze aufs...
