bozen on tour
Durch die Leere führt ein Strich. Aus dem Strich wird ein Kreis. Je transzendentaler, desto besser. Nacera Belaza macht keine Bühnenshows. Bei ihr laufen repetitive Muster, von Anfang bis Ende mit minimalen Variationen durchsetzt. Da bleibt nichts kleben. Keine Geschichte, keine Bilder, keine zeitliche Orientierung. Selbst der Titel hilft nicht. Dabei setzt «La Traversée», auf Deutsch «Durch»- oder «Überquerung», Begriffe wie Anfang, Ende und Dauer voraus, und noch dazu eine Idee von Linearität.
In «La Traversée» läuft alles rund anstatt linear.
Drei Damen und ein Herr in dunkel verwaschenem Einheits-Outfit drehen sich im Kreis und rotieren durch eine Art Schwarzes Loch wie Gestirne um einen Magnetkern, der sich immer wieder umpolt. Nähern sie sich einander, so verbiegt sich die innere Statik der Körper und verschiebt deren Umlaufbahnen. Hinterließen sie Spuren, ergäben sich wohl Rosettenmuster. Das ganze System ist zwar intuitiv durchschaubar, aber so ausgefeilt und komplex, dass es mit immer neuen Variationen von Intensität und Rhythmen überrascht. Der fotografischen Momentaufnahme entzieht sich diese Arbeit völlig. Nur in der Dauer entfaltet «La Traversée» seine Wirkung, über ...
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Tanz Juli 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 46
von Thomas Hahn
screening_________
merce cunningham
Knallende Türen, empörte Zuschauer: Noch 2011 machte die Merce Cunningham Dance Company auf ihrer Abschiedstournee die Erfahrung, dass die Kunst ihres zwei Jahre zuvor verstorbenen Gründervaters manche Besucher überforderte. Der Doyen der US-Tanzmoderne war seiner Zeit ein gutes Stück voraus und hat mittels präziser...
Wenn ich mir auch nicht so ganz sicher bin, was mich choreografisch mit Anna Halprin verbindet, so hat die Begegnung mit ihr und die Beschäftigung mit ihrer Arbeit mir auf
alle Fälle Lebenswahrheiten gespiegelt und vermittelt – die zwar irgendwie bekannt sind, mich aber trotzdem zu echtem Nachdenken, vielleicht gar Umdenken angeregt haben.
Beispielsweise habe ich...
In der «Geschichte vom Soldaten» lässt der Teufel die Flammen züngeln, und im «Feuervogel» entfacht Sidi Larbi Cherkaoui anschließend einen solchen Bühnenzauber, dass man fast um das Theater fürchtet. Ein Regenguss wäre da mehr als willkommen. Den hat es allerdings schon im Anfangsbeitrag von Marco Goecke gegeben, der nicht nur aus Qualitätsgründen an das Ende...
