Ben J. Riepe

Tanz - Logo

Tanzen, singen und sprechen mit Mundschutz und sechs Metern Abstand – wie soll das gehen? Wenn wir dabei nicht ersticken oder zumindest kollabieren, wird uns natürlich schon irgendwas einfallen – denn wir sind ja immer kreativ. Oder? Aber Spaß oder Sinn macht das nicht. Wie etwas darstellen ohne Nähe, ohne Raum, ohne (Gesichts-)Ausdruck und dann auch noch vor fast leeren Sälen? Wie soll das gehen für eine Kunst, die von der Nähe, der Gemeinschaft, von ­Direktheit und unmittelbarer Reaktion lebt? Helge Schneider hat angekündigt, dass er in Rente gehe.

Vor Autos und Bildschirmen möchte er nicht auftreten. Seine Kunst lebe von der Begegnung, dem Live-Charakter. Ich kann ihn verstehen. Es sieht düster aus für die Darstellenden Künste. Wann also geht es wieder ganz zurück zur Normalität? Wird es überhaupt jemals zurückgehen zum Bekannten, Vertrauten, Status quo (ante)? Soll es das überhaupt? Oder ist es nicht gerade eine Chance, unser Gesamtkonstrukt der Kunstproduktion endlich neu zu denken? Endlich aufzuräumen?

Schauen wir globaler auf das ganze Geschehen, sind wir ja inmitten einer noch viel schlimmeren, schleichenden und alles verheerenden Krise: der Klimakrise. Nicht nur, dass ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Zukunft der Kunst, Seite 96
von Ben J. Riepe

Weitere Beiträge
Ästhetik des Abstands

In der sechsten Woche der wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Theater streamt das Hamburg Ballett «Tod in Venedig»: 2001 von John Neumeier choreografiert nach der Novelle von Thomas Mann. Es geht um einen Choreografen im von der Cholera bedrohten Venedig, er muss Abstand halten zu anderen Menschen. Aber Abstand ist ein Ding der Unmöglichkeit in der Kunst. Weil...

Diana Vishneva

Die Zeit der Selbstisolation ist so gut wie vorbei, und wir können zurückblicken und analysieren, was uns da eigentlich widerfahren ist. In einem Wimpernschlag wurden die Pläne unserer auf Tage und Jahre hinaus durchgetakteten, hochtechnologisierten modernen Welt durchkreuzt. Prozesse wurden gestoppt. Wir fanden uns allein, zurückgeworfen auf unsere Gedanken, in...

Alain Platel

Ich zitiere sehr häufig einen Satz aus Amin Maaloufs Buch «Le Dé­règlement du Monde» («Die Auflösung der Weltordnungen»): In ­Krisenzeiten sollte man (viel mehr!) in Kultur, Wissenschaft und Bildung investieren, denn kreative Lösungen dürfen wir von den Banken nicht erwarten.

Das ist alles.

Weitere Antworten auf die Frage, was bestehen bleiben muss und was sich...