begegnung
ist der Stoff, aus dem Theater gemacht wird. Der Autor begegnet einem Thema, die Choreografin einer Vorlage, der Tänzer einer Choreografie – bis zuletzt das Publikum auf eine Aufführung trifft. Jeder Entwicklungsschritt wird dokumentiert, auf Fotografien, in Filmen, für Archive. So verwandelt sich die Begegnung in Material, in eine Konserve, die das Lebendige des Augenblicks festhält – als erstarrte, musealisierte Form.
Tino Sehgal attackiert dieses Paradox, indem er es auf die Spitze treibt: Er bespielt Museen und Galerien, deren Besucher er als die eigentlichen Exponate betrachtet – und besteht darauf, dass nichts davon festgehalten wird (Seite 28). Es gibt keine Bilder, keine Videos, nichts, was von Sehgals Triumphen kündet. In der Bilderflut der Gegenwart taugt ein Bilderverbot gut zur Befestigung einer Ausnahmestellung. Den Künftigen bleibt auf diese Weise allerdings auch nur die Begegnung mit einem Sekundärspiegel – mit Texten, in denen das künstlerische Schaffen aufgehoben ist, wie gebrochen auch immer.
Ob wir in Texten auch deren Verfassern begegnen, ist eine Frage, über die sich Literaturwissenschaftler ausgiebig und mit Hingabe streiten. Wayne McGregor hat sie für sich und ...
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Tanz Juli 2015
Rubrik: editorial, Seite 1
von tanz-Redaktion
Wayne McGregor, Sie haben vor zwei Jahren mit «Raven Girl» zum ersten Mal eine «New Fairytale» vorgestellt, jetzt mit «Woolf Works» beim Royal Ballet Ihr erstes abendfüllendes Ballett konzipiert. Werden Sie erzählerischer? Ja, erzählerische Formen interessieren mich zunehmend, auch um mich danach wieder von ihnen abzustoßen, also ganz andere Parameter als Logik und...
Allein schon das Bühnenbild kann sich sehen lassen. Eno Henze, ein Berliner Künstler, hat es entworfen. Wuchtig in seiner Wirkung und zugleich beweglich, gibt es der Alt-Saga «Tristan + Isolde» auf abstrakte, aber wandelbare Weise Raum. Von Bert Dalhuysen ingeniös beleuchtet, scheint alles in der Schwebe, besitzt aber Atmosphäre genug, die Schauplätze aufs...
Ein aufrechter, dunkler Strich mit leuchtend blauen Augen bewegt sich lässig im Zwielicht des Cafés in Israels größtem Tanzzentrum auf seine Gesprächspartnerin zu, entblößt lächelnd weißblitzende Zahnreihen. Ohad Naharin begegnet den Menschen längst schon herzlich und zugewandt, hat sein einstmals ziemlich arrogantes Auftreten mit den Jahren der Reife völlig...
