basel: richard wherlock «tewje»
Nicht zum ersten Mal erzählt Richard Wherlock von der untergegangenen Welt des jüdischen Schtetl. Bereits mit «Transit Dances» und «Stetl» choreografierte er Aufbruch und Unterwegssein zu Klezmermusik. Die folkloristisch gefärbten Schrittfolgen gerieten schon damals rasant, doch im Ballett «Tewje», am Theater Basel uraufgeführt, steckt mehr Herzblut.
Wie Scholem Alejchems gleichnamige Erzählung vom jüdischen Milchmann Tewje, der ebenso starrsinnig wie liebenswürdig an den Traditionen festhält, spielt das Ballett in einem ukrainischen Dorf zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
In der Titelrolle ist Frank Fannar Pedersen ein leutseliger, urwüchsiger Charakter, der sich von der Klezmermusik gern zu wilden Tänzen locken lässt. Tewjes Töchter wollen nichts von traditioneller Heiratsvermittlung wissen. Die älteste heiratet einen armen Schneider, die zweite liebt einen Revolutionär, die dritte einen Andersgläubigen. Die eigens komponierte Musik von Olivier Truan lässt indes keine Sentimentalität aufkommen.
Die Klezmerband Kolsimcha und das Sinfonieorchester Basel spielen Contemporary Klezmer mit swingenden Rhythmen und einem Blechbläsersound, in dem Klarinette und Posaune zünftig zubeißen. Die ...
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Tanz Februar 2016
Rubrik: Kalender, Seite 50
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