Auf der Suche
Andreas Heise, Ihre Mutter war Tänzerin, Ihr Vater Opernsänger am Nordharzer Städtebundtheater. Ist da nicht der Berufsweg mehr oder weniger vorgezeichnet?
Kann man so nicht sagen. Mein Bruder, ein Kunstrebell, wollte eher in die Gegenrichtung gehen. Er hat als DJ begonnen und ist heute Event-Manager, auch für Popkonzerte. Ich selbst hatte mal mit sieben eine Ballettstunde, ohne dass mich das groß beeindruckt hätte. Einige Jahre sang ich im Kinderchor. Aber ich schaute viel bei den Proben zu und versuchte oft, zusammen mit meiner Freundin das Gesehene nachzuahmen.
Irgendwann wurde mir klar, wofür ich brenne, und als meine Freundin dann an der Palucca-Schule vortanzte, ging ich in aller Heimlichkeit mit – und wurde aufgenommen.
Ihre Eltern wussten nichts davon?
Nein, auch glaubte meine Mutter nicht, dass ich durchhalte. Schließlich war ich schon 16 und musste einiges nachholen. Aber die Mischung aus Modern, Klassik, Improvisation und einem Sich-Entfalten-Können bei Palucca war für mich gerade richtig, und in Fritz Rost fand ich einen für mich idealen Lehrer, der mir nicht zuletzt in Privatstunden mit Erfolg dabei half, auch meine körperlichen Schwierigkeiten zu überwinden.
Als da ...
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Tanz Juli 2023
Rubrik: Leadership, Seite 54
von Hartmut Regitz
Tiefes Seufzen, sachtes Flüstern, leises Gebrabbel, aus dem dann und wann ein Laut herauszischt und in den Äther hineinsticht, wo er zu einer Art Ethnogesang gerinnt. Kein Orchester im Leipziger Opernhaus, stattdessen zwei Männer, Mikros und Akustikboxen, die eine Landschaft aus samtigen, sandigen, sirenenverführerischen und symphonischen Klängen bauen: Der...
Skurrile, karnevaleske Kostüme und Schminke sind typisch für die Figuren in den Stücken der von den Kapverden stammenden portugiesischen Choreografin Marlene Monteiro Freitas. Es sind Gestalten, die sich oft in höchster Anspannung bewegen, mit verzerrten Gesichtern, eckigen Gesten und hampelnden Schritten. Das war bereits 2010 in dem Solo «Guintche» so, und es...
Johannes Wieland, was machen Sie gerade?
Eigentlich mache ich genau das gleiche, was ich die letzten 40 Jahre gemacht habe – ich mache Stücke, jetzt freiberuflich, und ich kuratiere das Tanzfestival «b12» in Berlin. Bevor ich 2006 Tanzdirektor am Staatstheater Kassel wurde, habe ich ja auch freiberuflich gearbeitet, und auch in Kassel hatte ich mir vertraglich...
