Foto: Renate Beense
Arno Schuitemaker
Nachdem er an der Technischen Universität von Delft einen Master-Abschluss erworben hatte, wechselte Arno Schuitemaker die Richtung und begann eine Karriere im zeitgenössischen Tanz. Seit der 1976 geborene Niederländer ein Diplom für Choreografie in der Tasche hat, macht er Stücke, die sich durch eine ausgesprochen physische und sensorische Annäherung an existenzielle Themen auszeichnen. Schuitemaker rückt den Körper in den Fokus und entwickelt so eine intensive, ebenso erdverbundene wie poetische Bewegungssprache.
Für «While We Strive» – Trio mit einer Frau, zwei Männern – hat sich Arno Schuitemaker von den Neurowissenschaften und der Gegenwartsphilosophie inspirieren lassen. Während vorwärtstreibender Klang den Raum erfüllt und das atemlose Stück rhythmisiert, scheinen sich die Tänzer – sowohl buchstäblich wie im übertragenen Sinn – die Bälle zuzuspielen. Sie bleiben ununterbrochen in Bewegung und tauchen in einen Strom der Wiederholungen ein, wobei sich ihr Tun zusehends komplexer und rasanter gestaltet. Beschleunigte Gesten verschmelzen mit Licht und ungewöhnlichen Klängen zu einer explosiven Mischung. Sie setzt eine Vielzahl an Assoziationen und Ideen frei, die die visuelle und akustische Wahrnehmung umkehren: Man hört mit den Augen, sieht mit den Ohren. Etwas Athletisches, Aufbrausendes steckt in diesem «While We Strive», während das Bewegungsvokabular eigentlich ganz einfach bleibt. Aber die Verschiebung der Wahrnehmung schickt uns auf eine durch und durch verführerische Reise ins Land der Sinne.
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 183
von Agnès Izrine
Aller guten Dinge sind drei: Nach 2008 und 2011 wird Sidi Larbi Cherkaoui abermals «Choreograf des Jahres». Dass er es irgendwann noch ein viertes Mal schafft, darf man mit Fug und Recht annehmen. Kein Choreograf ist derzeit weltweit so präsent wie der Belgier aus flämisch-marokkanischem Elternhaus. In seiner Geburtsstadt Antwerpen steht er heute sowohl der selbst gegründeten Kompanie...
«Уважающим себя хореографам следовало бы учитывать, что каждое па – это шаг в будущее. Chorégraphes qui se respectent devraient prendre en considération que chaque pas est un pas dans l’avenir.» Das ist ein Satz, den Serge Diaghilew, laut Boris Kochno, am 17. August 1929, also zwei Tage vor seinem Tod, in Venedig Kochno anvertraut haben soll & den ich, Giselle Leichtentritt, mir nach...
Ich kann die Frage nach der Zukunft des Tanzes leider nicht beantworten. Ich kenne sie nicht – und vor allem verändert sich nur das, was außerhalb von uns selbst liegt und Gegenwart ist. Das allerdings verändert sich rapide, die menschliche Psyche und ihre Bedürfnisse werden wohl kaum damit Schritt halten können. Natürlich verändert sich auch der Mensch – indem er etwa das Leise verlernt...
