Foto: José Miguel Jiménez
Euripides Laskaridis
Dass man für bizarre Komik ebenso viele komplexe Fähigkeiten benötigt wie für dramatische Rollen, hat der Athener Euripides Laskaridis unlängst in Lyon demonstriert. Dort hat er eine Eigenkreation, das Solo «Relic», getanzt, eine Arbeit, die sich stilistisch jeder eindeutigen Zuordnung, Machart oder Mode entzieht und das Publikum gleich einer turbulenten Achterbahnfahrt in Atem hielt.
Laskaridis präsentierte sich darstellerisch als veritables Chamäleon, so eindrucksvoll und mühelos komisch vollzog er seine Metamorphosen, Übergänge und spielerischen «Farbwechsel».
Die Gründung seiner eigenen Kompanie Osmosis sowie alle Bühnen- und Filmprojekte stemmte Laskaridis in enger Zusammenarbeit mit Freunden und einem Beraterkreis um seinen Mentor Dimitris Papaioannou. Angesichts der nach wie vor instabilen Wirtschaftslage Griechenlands und dem Ausbleiben staatlicher Subventionen für die Arbeiten freier Choreografen nimmt es kaum Wunder, dass auch bei Laskaridis das Politische in zahlreichen – mehr oder weniger verhüllten – Spielarten auf der Bühne zu seinem Recht kommt. In einem ausgepolsterten Kostüm, das Bauch, Brust, Schenkel und Hinterteil übertrieben betont, schlüpft der Tänzer in verschiedenste Rollen, die von der pathetisch-sittsamen Lady bis zur besessenen Transvestiten-Diva reichen und darstellerisch zwischen extremer Groteske und berührend-intimen Momenten oszillieren.
Obgleich «Relic» seine komischen Momente hat und einen durchaus derben Humor, wenn es – abstrakt wie konkret – um Gender-Themen geht, handelt es sich bei dem Stück dennoch nicht um bloße Comedy; dafür fehlen die krachenden Pointen. Eher gleicht es einer Kette rasch wechselnder Erscheinungen. Dabei fusioniert «Relic» das Burleske mit Elementen des absurden Theaters, gesprenkelt mit Slapstick, aber eben auch mit Momenten schönster Poesie. Trotz der Fülle an Reizen, die bisweilen willkürlich oder spontan improvisiert scheinen, gibt es so etwas wie ein Netz, das die einzelnen Episoden zusammenhält. Dazu gehören nicht zuletzt die so gekonnt wie klug miteinander verwobenen Elemente visueller, klanglicher und lichttechnischer Natur, die in ihrem Zusammenwirken auf die aufrichtige Neugier und den rebellischen Geist ihres Erfinders und Darstellers schließen lassen.
Aus dem Englischen von Marc Staudacher
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 177
von Ora Brafman
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