Foto: Dorothea Tuch
Annemie Vanackere: Das Morgen entwerfen
«To imagine the future is a political practice», schreibt die Feministin Laurie Penny auf der Netzplattform «The Baffler». Die Zukunft zu imaginieren, steht gerade auch im Zentrum unserer künstlerischen Arbeit im Theater. Im Theater erproben wir das Leben, die Welt. Die Bühne ist ein Raum zum Experimentieren und Imaginieren, zum Ausloten anderer Lebensmodelle und Utopien. Dieser Raum macht auch etwas mit der Zeit, oder besser gesagt mit unserem Zeitgefühl.
Er gibt uns die Möglichkeit innezuhalten, aus der Alltagszeit auszusteigen und uns einzulassen auf Ideen, Anregungen und Vorstellungen anderer. Das Theater ist keineswegs bloß ein Rückzugsort in eine ästhetische Autonomie; es steht immer auch in Verbindung mit der Gesellschaft und der Welt ringsum.
Mythische Theaterorte sind genau die Orte, an denen sowohl Künstler und Künstlerinnen wie Besuchende die Erfahrung gemacht haben, dass etwas Neues entsteht. Kann man aber arbeiten – an einem mythischen Ort? Besteht nicht auch die Gefahr, dass der Mythos zu etwas Starrem, Unveränderlichem wird? Wer oder was definiert, was als – oft erotisch konnotierter – «mythischer Ort» gilt? Sicherlich ist es jedes Mal ein komplexes Zusammenspiel ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 126
von Annemie Vanackere
«Cock, Cock.. Who‘s There» hieß die Performance, mit der die finnisch-ägyptische Künstlerin Samira Elagoz 2016 ihre Ausbildung an der Amsterdam School for New Dance Development abschloss und für deren beeindruckende Mischung aus Kreativität, Selbstwertgefühl, Originalität und Leidenschaft sie denn auch gleich das eigens auf Abschlussproduktionen zugeschnittene...
Still und leise, sanft und diskret hat er sich in die internationale Szene vorgearbeitet. Überraschende Eigenschaften, besonders wenn man sich anschaut, was der Portugiese Jahrgang 1986 so auf der Bühne anstellt. Sein Stück «Brother» (2017) beispielsweise kann man auf zwei Ebenen lesen: einmal, oberflächlich und spontan betrachtet, als Patchwork mit Bezügen, die...
Auffallend groß gewachsen ist er, attraktiv und gut gebaut dazu: Reece Clarke, First Artist beim Londoner Royal Ballet, bekommt in letzter Zeit vermehrt Klassiker-Hauptrollen anvertraut. Er verströmt eine Aura der Souveränität, wie sie Menschen seiner Körpergröße nicht selten von Natur aus mitbringen. Auf der Bühne ist er in der Regel mühelos auszumachen.
Im...
