Adieu Dieter Gräfe
DER ERBE …
Am Ende glich er der grauen Eminenz, als welche Dieter Gräfe manche sahen, auch äußerlich aufs letzte Barthaar – so als wäre er endlich eins geworden mit der Rolle, die ihm das Schicksal vorbehalten hatte. Denn eigentlich wollte er Reedereikaufmann werden. Aber im Fahrwasser John Crankos, dessen Privatsekretär er eher aus einem Zufall heraus geworden war, wuchs er ab 1968 als Ballettsekretär und Disponent an den Württembergischen Staatstheatern Stuttgart in eine Aufgabenstellung hinein, die am Ende über eine reine Verwaltertätigkeit weit hinausreichte.
Ohne ihn lief lange Zeit nichts, und wer mit Ballettdirektor Cranko in Kontakt kommen wollte, musste sich zwangsläufig mit Gräfe ins Benehmen setzen. Er war der «treue Diener seines Herrn», wie der Stuttgarter Generalintendant Walter Erich Schäfer einmal nicht ganz unironisch gegenüber Cranko formuliert hatte, und der stimmte dessen Einschätzung ganz offensichtlich zu: Aus guten Gründen und mit Bedacht machte er ihn zu seinem Universalerben.
Dieter Gräfe wurde nach dem Tod des Choreografen zum «Gralshüter», der in enger Abstimmung mit seinem Lebensgefährten Reid Anderson das Lebenswerk Crankos nicht nur zu wahren wusste. ...
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Tanz Juni 2024
Rubrik: Side step, Seite 16
von
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