Adam Russell-Jones «Release the Hounds»
Ein Mann in weißer Jeans und weißoranger Trainingsjacke legt mühevoll die Strecke entlang der weißen Backsteinwand am hinteren Bühnenrand des Schauspielhauses Wien zurück. Seine Bewegungen schwanken zwischen sorgfältiger Körperbeherrschung, über die er dank jahrelangen Trainings sichtlich verfügt, und Loslassen – der Hingabe an die Gesetze von Trägheit und Schwerkraft. Eine Hand baumelt herab, der Rücken sucht die Stabilität der Wand, der Kopf braucht Halt und Stütze.
Die Bewegungen «glitchen» zu flüchtigen Loops, während die Klangcollage aus Werbespots, Filmaufnahmen und Clubmusik zu einem frei flottierenden Amalgam instabiler Bedeutungshorizonte verschmilzt und Nostalgie, Begehren und bittersüße Wonnegefühle weckt. Was bleibt, ist das Verlangen nach jenen flüchtigen Affektzuständen, die so schnell wieder im chaotischen Auffangbecken unbewusster Manifestationen und gesellschaftlicher Krisen verschwinden, durch die Adam Russell-Jones sich beim Festival «ImPuls-Tanz» seinen beschwerlichen Weg bahnt: Intimität und Kultur miteinander verschmelzend und die Erschöpfung bereitwillig in Kauf nehmend.
«Release the Hounds» ist ein Stück, das wahrhaftig vom krisenhaften Zeitgeist – von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2025
Rubrik: Kalender, Seite 32
von Plamen Harmandjiev
Sie betreten joggend die Bühne, wie Fußballspieler, die sich kurz vor dem Spiel auf dem Platz verteilen: der französische Regisseur Mohamed El Khatib in blauen Shorts und gelbem «Tangier – Morocco»-T-Shirt, der spanische Flamenco-Star Israel Galván in einer hellblauen Djellab.
«Israel & Mohamed» ist ein Stücktitel, der Erwartungen wecken dürfte – was natürlich...
Festival mit Diskurs
ZEITGENÖSSISCHER ZIRKUS
Der Tanz macht es sich manchmal aber auch ziemlich einfach. «Wenn man über meine Themen reden könnte, dann müsste man ja nicht tanzen», so oder so ähnlich wird meistens argumentiert, weswegen man eigentlich keine Lust hat, das eigene Tun zu erklären. Das dezentrale Festival «Zeit für Zirkus», das vom 14. bis 16. November...
Im Mai hat Miles Greenberg seine Mission beendet: Der noch nicht einmal dreißigjährige Kanadier war Pina-Bausch-Gastprofessor und damit Nachfolger von Marina Abramović an der Folkwang Universität in Essen, wo in Kooperation mit dem Folkwang Museum zeitbasierte Kunst nachhaltig gefördert wird. Die 2022 eingerichtete, vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW...
