Adam Russell-Jones «Release the Hounds»
Ein Mann in weißer Jeans und weißoranger Trainingsjacke legt mühevoll die Strecke entlang der weißen Backsteinwand am hinteren Bühnenrand des Schauspielhauses Wien zurück. Seine Bewegungen schwanken zwischen sorgfältiger Körperbeherrschung, über die er dank jahrelangen Trainings sichtlich verfügt, und Loslassen – der Hingabe an die Gesetze von Trägheit und Schwerkraft. Eine Hand baumelt herab, der Rücken sucht die Stabilität der Wand, der Kopf braucht Halt und Stütze.
Die Bewegungen «glitchen» zu flüchtigen Loops, während die Klangcollage aus Werbespots, Filmaufnahmen und Clubmusik zu einem frei flottierenden Amalgam instabiler Bedeutungshorizonte verschmilzt und Nostalgie, Begehren und bittersüße Wonnegefühle weckt. Was bleibt, ist das Verlangen nach jenen flüchtigen Affektzuständen, die so schnell wieder im chaotischen Auffangbecken unbewusster Manifestationen und gesellschaftlicher Krisen verschwinden, durch die Adam Russell-Jones sich beim Festival «ImPuls-Tanz» seinen beschwerlichen Weg bahnt: Intimität und Kultur miteinander verschmelzend und die Erschöpfung bereitwillig in Kauf nehmend.
«Release the Hounds» ist ein Stück, das wahrhaftig vom krisenhaften Zeitgeist – von ...
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Tanz November 2025
Rubrik: Kalender, Seite 32
von Plamen Harmandjiev
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