Abwesende Körper
Mit Rabih Mroué, Omar Rajeh und Arkadi Zaides haben wir drei Künstler aus dem Libanon und Israel nach ihren Strategien künstlerischen Handelns gefragt. Vor dem Hintergrund der Konfliktlinien im Nahen Osten und den Debatten in Deutschland und Europa zu Antisemitismus, Kolonialismus und Rassismus nehmen sie radikal individuelle, kritische Positionen ein, die uns helfen, jenseits von ideologisch geprägten unverrückbaren Standpunkten Wege der Reflexion und Kommunikation zu finden.
Nur in der Differenzierung von individuellen Positionen erschließt sich ein Blick auf eine kosmopolitisch geprägte Gesellschaft, die durch die Identitätsdiskurse von Religion, Ethnie oder Nationalismus das Potenzial eines offenen Gesellschaftmodells verliert. Exemplarisch verweigern sich alle drei Künstler einer orientalisierenden, fremdbestimmten Definition. Dabei wird deutlich, dass Europa und vor allem Deutschland gut daran täten, eigene Perspektiven zu reflektieren und neue Debattenräume zu eröffnen.
Zu Beginn ein Bild: Der Nachtclub «B 018» im Hafengebiet von Beirut, errichtet über der ehemaligen Quarantäne-Station aus der französischen Protektoratszeit. 1975, als der libanesische Bürgerkrieg begann, ...
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Tanz Juni 2024
Rubrik: Positionen, Seite 52
von Johannes Odenthal
Giselle ist tot. Und zwar gleich vom ersten Bild an: keine romantische Träumerei, kein Getändel, keine unstandesgemäße Liebe, kein Verführer Albrecht und keine dörfliche Szenerie. Die Heldin ist tot, und Mario Schröder fragt in seiner letzten Arbeit nach 15 Jahren als Leipziger Ballettdirektor, wo sie sich jetzt eigentlich befindet: «Wo ist Giselle?» wird als...
Wie würde er wohl die Lage beurteilen? Und wem in gewohnter Schärfe die Leviten lesen? Ralph Giordano gehörte zu den streitbarsten Intellektuellen der Bundesrepublik. 1923 als Sohn einer jüdischen Mutter in Hamburg geboren und schon als Zehnjähriger mit dem Vernichtungsfuror des Dritten Reichs konfrontiert, überlebte er in seiner Heimatstadt und wurde nach 1945...
Derzeit geht Cindy Van Acker durch neue Erfahrungen. Sie kreiert ein Stück, «Quiet Light», das im Juni in Lugano Premiere haben wird, und sie hat dafür noch nicht das gefunden, was sie «den Anker» nennt. «Ich weiß nicht, wo der Anker ist», erzählt sie, als wir uns Anfang März bei den «Swiss Dance Days» in Zürich treffen. Und ist das schwierig? «Meistens finde ich...
