Zart, aber nie zaghaft
Zu Jahresbeginn zeigt sich Léonore Baulac alias «leobaulac» auf Instagram mit einer Giraffe. Die Danseuse étoile der Pariser Oper hat eben ihren Urlaub in Kenia angetreten, der allerdings kein echter Urlaub ist. Schon am nächsten Tag sieht man Baulac im Trikot inmitten einer Mädchenschar, die sich an blauen Plastikstühlen festhält – Ersatz für die Ballettstange. Als Botschafterin des «What Dance Can Do Project» ist die Tänzerin nach Nairobi gekommen, um eine Woche lang junge Menschen zu unterrichten, die im Slum von Kibera leben.
Zu Hause in Paris beteiligt sie sich auch an kleinen Vorstellungen für kranke Kinder und Jugendliche im Hôpital Necker, wie sie mir einige Tage vor ihrer Abreise erzählt: «Mein Kollege, der Danseur étoile Hugo Marchand, hat mich mit der Organisation bekannt gemacht.»
Auch mal in Turnschuhen
Wir sitzen in ihrer Garderobe im Palais Garnier, das Treffen fällt mitten in eine aufregende und aufwühlende Zeit. Zu Silvester soll sie eigentlich die letzte Vorstellung von «Raymonda» tanzen, 1983 von Rudolf Nurejew nach Marius Petipa choreografiert – eine Partie, die es in sich hat. Aber seit Anfang Dezember hat an der Pariser Oper keine Vorstellung mehr ...
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Tanz Februar 2020
Rubrik: Menschen, Seite 35
von Rosita Boisseau
Wer sieht wen an und von wo aus? Was macht das aus? Dass die Zuschauer von zwei Seiten eine Bühnenaufführung betrachten, sich also gegenübersitzen, ist längst nicht mehr ungewöhnlich. Auch Ohad Naharin baut seinem neuen Stück «2019» eine solche Zwei-Fronten-Situation. Die Botschaft des Arrangements – «seht euch beim Zuschauen zu» –, nimmt man leicht amüsiert zur...
Niemand steht in einem Treppenhaus. Stehen muss man nur im Aufzug. Oder davor. Im Treppenhaus bewegt man sich, hinauf oder hinab. Es gibt enge, schmale, steile Treppenhäuser wie die zum Kirchturm rauf. Und es gibt weite, hohe, prächtige Treppenhäuser wie hier im Oberlandesgericht Köln oder ein paar Kilometer rheinaufwärts im Kunstmuseum Bonn. Große, generös gebaute...
Alte Menschen brauchen eine Stütze, einen Rollator, wie ihn die 75-jährige Brigitta Schirdewahn über die Bühne steuert. Auch wenn die Frankfurter Tänzerin ihn nicht benötigt. Es ist wie in der Kunst. Wer ein Bild alter Meister betrachtet, sieht zuerst den Rahmen. «Darum choreografiere ich auch nicht, ich rahme», sagt Antje Velsinger. Zusammen mit der...
