wozu residenzen?
Einmal Kaiser sein und wie weiland Karl V. von Residenz zu Residenz ziehen, das ist heute das Schicksal hunderter Choreografen. Quer durch Europa wird logiert, geprobt und geforscht. Nur eins wird zunehmend verpönt: ein richtiges Stück zu entwickeln. Es gibt kaum eine Kommune, die keine Künstler aufnimmt, selbst 5-Sterne-Hotels bieten mittlerweile Logis und schmücken sich als «Kulturort». Aber wozu ist das gut, wenn gleichzeitig Gastspiele reduziert und Produktionskosten gesenkt werden? Nicht wenige Choreografen haben aus dem Residenzdasein ein regelrechtes Kunstkonzept gemacht.
«Man sehnt sich so danach», sagt Christine, «irgendwann in der Realität anzukommen.» Auf diese Realität wurde sie ihr Leben lang vorbereitet. Jetzt will sie auch mal in dem Leben ankommen, von der ihr die Schule, der Tanzunterricht und die Sommerferien immer erzählt haben. Sommers nahm sie Tanzkurse bei «ImPulsTanz» in Wien. In Frankfurt gab es ein «Sommerlabor mit richtigen Intellektuellen». Eigentlich wollte sie einfach in einer Kompanie tanzen. Ihren Koffer rollte sie von Audition zu Audition. Aber jeden Tag im Studio die Bewegungen zu wiederholen, die nicht ihre waren: Das war nicht mehr ihre Sache. ...
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Ein Kleinkind hockt vor einem Koffer voller Spielzeugautos. Der Vater tippt auf der Schreibmaschine. Die Mutter schließt und öffnet die hellen Vorhänge, die an allen vier Seiten des einstöckigen Gerüsts hängen. Sind sie geschlossen, verraten die Schatten der Bewohner, was innen vor sich geht. Sind sie offen, sieht man: eine Topfpflanze, Teppiche, kleine Objekte,...
Nach wie vor ist der 57-jährige Saburo Teshigawara der erste Avantgardist des japanischen Tanzes und überhaupt einer der produktivsten Choreografen im Land. Neben «Double Silence» und «She», ein Solostück für seine lang-jährige Partnerin Rihoko Sato, schuf er in einem einzigen Jahr auch «Mirror and Music», ein weiteres Werk in seinem hoch ästhetischen Spiel in...
Feierlich tragen drei Tänzer gigantische goldene Puppen aus Thailand herein. Nang Yai werden sie genannt. Hinter ihnen ist der größte Star des westlichen Tanzes projiziert: Waslaw Nijinsky, der 1910 den «Danse siamoise» in Michail Fokins Ballett «Les
orientales» kreierte. Hundert Jahre später antwortet ihm der thailändische Choreograf Pichet Klunchun in Singapur mit...
