Was denkt Melanie Gruss

Melanie Gruss hinterfragt den Satz vom «Wissen in Bewegung»

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Viele verstehen Tanz als unmittelbare, direkte Kommunikation. Wenn man sich mit Tanz und seiner Geschichte auseinandersetzt, erscheint dieses Verständnis problematisch. Es verstellt einen Blick auf Tanz als diskursive Praxis. Ich frage mich, woher diese Meinung kommt? Lässt sie sich kulturhistorisch verorten?

In der Ablösung der rhetorischen Zeichen durch das Ideal einer natürlichen Kommunikation und eines natürlichen Ausdrucks im 18. Jahrhundert stellt sich zunehmend die Frage nach der Bedeutung der Körpersprache und -gesten. Das betraf den Diskurs über den Schauspieler.

Aber auch im Tanz entstehen neue Modelle eines Tänzers, der in der äußeren Bewegung innere Befindlichkeit der Seele abbilden soll.

Noverres Entwurf eines ballet d’action forderte die Korrespondenz von äußerer Bewegung und Affekt, wodurch Form und Inhalt von Bewegung neue Bezüge eingehen. Seitdem ist die Bewegung des Körpers emotional besetzt und so auch deutbar. Hier liegt für mich der entscheidende Punkt in der Tanzgeschichte, an dem der Körper des Tänzers dazu verdammt wird, Gefühle auszudrücken. Dieser Vorgang vollzieht sich jedoch unter Ausblendung der ästhetisierenden Prozesse im Tanz als Kunst, wodurch ein ...

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Tanz März 2007
Rubrik: Was denkt..., Seite 80
von Melanie Gruss

Vergriffen
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