Was denkt Angelin Preljocaj

Angelin Preljocaj über den Tod von Karlheinz Stockhausen.

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In «Sonntags-Abschied» steckt Abschied. Es ist etwa zwei Jahre her, dass Karlheinz Stockhausen mir einen Brief schrieb: «Ich muss Ihnen etwas zeigen.» Das war einige Jahre nachdem er mir erlaubt hatte, ein Stück zu seinem «Helikopter»-Quartett zu kreieren. Er empfing mich in seinem Studio und spielte mir «Sonntags-Abschied» vor.  Es war wie der Gesang der Sirenen für Odysseus, ein Werk voll himmlischer Leichtigkeit, ganz im Gegensatz zum «Helikopter»-Quartett, das paradoxerweise sehr erdverbundene Musik ist.

Es berührte mich sehr, dass Stockhausen mir vorschlug, ein Ballett zu «Sonntags-Abschied» zu kreieren. Wir trafen uns regelmäßig, weil ich von ihm mehr erfahren wollte über den tieferen Sinn des Werks und seine Struktur. Er war sehr mystisch, ein sehr spiritueller Mensch, der immer wieder auf Gott zu sprechen kam. Mit seiner Musik wollte er eine Verbindung zwischen Gott und den Menschen schaffen, aber sich nie in die Tradition religiöser Musikstile einreihen. Seine Assistentin schilderte mir, er hätte am Vorabend ein neues Werk beendet. Er rief aus: «Eine neue Ära ist angebrochen, ich habe eine neue Art endeckt, wie der Chor sich beim Singen der Atmung bedient!» Er atmete ein, ...

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Tanz Februar 2008
Rubrik: Was denkt..., Seite 80
von Thomas Hahn

Vergriffen
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