Warteschleifen: the Köln Concert
Ende September 2020: Die Hamburgische Staatsoper darf ein Viertel ihrer Plätze verkaufen, in Berlin rückt die Zwei-Drittel-Auslastung in Sichtweite, in der Pfauen-Spielstätte des Zürcher Schauspielhauses sind 50 Prozent das Maximum – mit Mund-Nasen-Schutz über die gesamte Aufführungsdauer.
In Großbritannien wird zaghaft das eine oder andere Theater wiedereröffnet, aber Londons Royal Opera House muss sich weiterhin mit Streamings behelfen – wie lang soll das so gehen? Wieso darf die Bahn auch rappelvoll weiterbrausen, dürfen die Airlines das Sardinenbüchsen-Prinzip praktizieren – aber die Kultur muss weiterhin auf die Publikumsbremse treten?! Mit absehbar verheerenden Folgen, je länger die Ausfälle anhalten. Man muss nicht in den Chor derer einstimmen, die numerische Restriktionen als Ausdruck genereller Kulturignoranz und politischer Indifferenz beklagen, um sachlich festzustellen: Es wird mit zweierlei Maß gemessen. So wie in der Bankenkrise zwischen systemrelevanten Instituten und dem Rest unterschieden wurde, darf ein Superspreader wie der Fleischfabrikant Tönnies weitermachen, während die Kulturbranche darniederliegt. Erst kommt das Fressen …
Ferne Erinnerung an bessere ...
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Tanz Oktober 2020
Rubrik: Side Step, Seite 23
von Dorion Weickmann
Am Ende kriecht Antje Pfundtner in ein vasenähnliches Gefäß und schaukelt vor sich hin. Und schaukelt. Und schaukelt. Und grinst kaum merklich ins Publikum, das nicht so recht weiß: Ist das Solo «Sitzen ist eine gute Idee» jetzt vorbei, oder passiert noch was? Und Pfundtner schaukelt weiter. Zuvor hat die Choreografin und Tänzerin ihr Scheitern thematisiert, ihre...
Es ist durchaus eine Überraschung, vor allem für ihn selbst: Der «Deutsche Tanzpreis 2020» geht an Raimund Hoghe! «Vor einigen Jahren war ich schon mal nominiert, aber dieses Mal wusste ich im Voraus wirklich nichts davon», sagt er. Freut er sich, weil er hier sozusagen in die Fußstapfen Pina Bauschs tritt, deren Dramaturg er fast ein Jahrzehnt – von «1980» bis...
Man kann Kunst für Menschen machen. Oder, wie es das italienische Theaterkollektiv Socìetas Raffaello Sanzio einmal vorgemacht hat, den Publikumssaal mit Stoffhasen füllen, sodass die Menschen, verdrängt auf den Balkon, den Eindruck erhalten, die Tänzer sind nur für die Tiere da. Einen Schritt weiter gehen die Performerin Krõõt Juurak und der Tänzer Alex Bailey....
