Ludwigshafen: Jean-Christophe Maillot «Coppél-i.a.»

Intelligence artificielle, kurz: I.A. Schon im Titel deutet Jean-Christophe Maillot an, dass seine «Coppélia» über künstliche Intelligenz verfügt. Tatsächlich ist bei der «Coppél-i.A.»-Produktion der Ballets de Monte-Carlo einiges anders. Nicht die Musik von Léo Delibes erklingt. Auch lässt das Ambiente gar nicht erst den Gedanken aufkommen, die Geschichte könnte so wie einst bei der Pariser Uraufführung 1870 irgendwo in einem fiktiven Galizien spielen.

Das Dekor von Aimée Moreni gibt sich eher abstrakt designerhaft, und hinter der Halfpipe, die eine milchige Plastikfolie begrenzt, werden auch nicht irgendwelche Dörfler sichtbar, sondern Lichtgestalten, die sich erst nach und nach zu Coppélius und Coppél-i.A. verdichten. Wobei Letztere so gar nichts von einem puppenhaften Automaten hat. Lou Beyne ähnelt eher der Maschinen-Maria aus dem Film «Metropolis». Ruckhaft bewegt sich die schmalgliedrige Solistin wie eine stählerner «Andreide» über die Bühne, mal nach vorne, mal nach hinten kippend, mal endlos auf der Spitze stehend.

«Andreide», eine Wortschöpfung von Auguste de Villiers de L’Isle-Adam. In seinem 1886 erschienenen Science-Fiction-Roman «Die künftige Eva» bezeichnet er damit ...

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Tanz Oktober 2020
Rubrik: Kritik, Seite 39
von Hartmut Regitz