Ursprünge

Nadia Beugré schlägt in «Épique! (pour Yikakou)» den Bogen zurück zum Dorf ihrer Vorfahren, von Montpellier an die Elfenbeinküste. Wie sie sich dabei fühlte, schildert sie Thomas Hahn

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Wäre sie in Abidjan geblieben, vielleicht wäre aus Nadia Beugré eine «Mama Benz» geworden. Eine dieser Superfrauen, die im Handel mit Wax-Textilien, Schmuck oder anderen Dingen wohlhabend werden und im Mercedes durch die Stadt kutschieren. Worauf es dabei ankommt: Willenskraft, Durchsetzungsvermögen, Zielstrebigkeit. Genau damit besticht Nadia Beugré, die weder im Alltag noch als Choreografin jemals bereit war, sich einem ästhetischen Diktat zu beugen. Nicht einmal von sich selbst würde sie das akzeptieren.

Wenn sie ein Stück entwickelt, lässt sie sich ganz von ihrer inneren Stimme leiten, nicht von äußeren Einflüssen oder Erwartungen. Sie ist resistent gegen Einschüchterung und hat sich so zu einem Unikum der Tanzlandschaft entwickelt. Was damit zu tun haben mag, dass sie mit 14 Jahren nach Abidjan zog und dort zum Teil auf der Straße lebte. «Mein Vater war ein strenger Muslim, aber er ließ mir viele Freiheiten.» Wer so früh anfängt, sich durchzusetzen, wird später kaum klein beigeben.

Enfant terrible
In ihrem wilden Duo «Filles-Pétroles», was sich mit «Brandstifterinnen» übersetzen lässt, inszenierte sie zwei potenzielle Mama Benz aus Abidjan, von denen eine den Spitznamen Gros ...

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Tanz Dezember 2025
Rubrik: Menschen, Seite 16
von Thomas Hahn

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