Unvergleichlich
Marco Goecke gibt sich gelassen. Eine Ohreninfektion, deretwegen er in der letzten Spielzeit die Premiere von «A Wilde Story» hat verschieben müssen, ist ausgeheilt. Dass er, Choreograf und Direktor des Staatsballetts Hannover, nun mit dem «Deutschen Tanzpreis» geehrt wird, gibt seiner Arbeit sicher weiter Auftrieb. Aus gegebenem Anlass ein Gespräch über gestern, heute und morgen.
Sie sind fünfzig und erhalten den Tanzpreis, aber noch nicht wie Reinhild Hoffmann für Ihr Lebenswerk.
Er ehrt mich.
Es war ja hierzulande bisher nicht so ganz einfach für mich mit der Anerkennung. Während ich in Holland immer wieder mit Preisen bedacht wurde, ist in Deutschland in dieser Hinsicht nicht so viel passiert. Dass ich ihn erhalte, hängt auch damit zusammen, dass die Veranstalter jetzt anders als in vergangenen Zeiten eher Künstler auszeichnen wollen, die mitten im Leben stehen.
Ihre Bemerkung klingt leicht verschnupft?
Im Gegenteil, jede Wertschätzung des Tanzes ist wichtig; ein Preis schafft Aufmerksamkeit, und die brauchen wir dringender denn je. Was ich damit sagen will: Früher gab es noch den Tanzpreis «Zukunft». Den als junger Mann zu bekommen, wäre schön gewesen. Ein Ansporn, zumal in ...
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Tanz Oktober 2022
Rubrik: Tanzpreis, Seite 26
von Hartmut Regitz
Alles kann zum Mythos werden, sagt Roland Barthes. In Angelin Preljocajs neuem Opus «Mythologies», das von Zeus und Ikarus bis Aphrodite und Minotaurus ein (nicht immer) hellenisches Feuerwerk abbrennt, ist der Philosoph die Brücke zur heutigen Welt. Preljocaj bezieht sich auf Barthes’ Essaysammlung «Mythen des Alltags», die ihm ein exzellentes choreografisches...
Ende einer Ära
Die überstrapazierte Formel vom Ende einer Ära – im Falle der «Dancing Times» trifft sie unumwunden zu. Das britische Magazin erblickte 1894 das Licht der Welt, zunächst als Hauspublikation der Cavendish Rooms, einer Institution des Gesellschaftstanzes. Ab 1910 firmierte es unter seinem weit über die Tanzwelt hinaus bekannten Namen, und seither...
Unsere Anthologie «Choreographies of 21st Century Wars» erschien 2016 im Gefolge des Irakkrieges. Mit den verheerenden Angriffen Russlands auf die Ukraine, einen souveränen Staat, steht gegenwärtig abermals ein Krieg im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Während Woche um Woche Bilder von Tod und Zerstörung um die Welt gehen, erfordert dieser jüngste Konflikt eine...
